Erfahrungen BaPsy-DGPs: „Nach Jahren wieder Mathe, das war hart“
Nach Ausbildung und Job zum Psychologie-Studium: Selin berichtet, wie sie Mathe neu gelernt und drei Stunden BaPsy gemeistert hat.
Hallo zusammen, ich bin Selin. Mein Abi ist schon sechs Jahre her und war mit 2,6 nicht gerade glänzend. Danach habe ich eine Ausbildung zur Ergotherapeutin gemacht und zwei Jahre in einer Praxis gearbeitet. Dort habe ich gemerkt, dass mich vor allem die psychologische Seite unserer Arbeit interessiert: Warum sind manche Patienten motiviert und andere nicht? Wie wirkt sich Angst auf die Genesung aus? Irgendwann stand fest: Ich will Psychologie studieren. Der BaPsy war für mich die Chance, meine alte Abinote ein Stück weit auszugleichen.
Vorbereitung mit Vollzeitjob
Ich habe mich direkt zu Beginn der Anmeldephase angemeldet, um einen Testort in meiner Nähe zu bekommen. 100 Euro sind kein Pappenstiel, aber das war es mir wert. Vorbereitet habe ich mich gut vier Monate lang, meistens abends nach der Arbeit und am Wochenende.
Am Anfang war Mathe ein echter Schock. Kurvendiskussion, Vektoren, Wahrscheinlichkeiten – das war alles komplett weg. Bei meiner ersten Übungsrunde habe ich gerade mal ein Viertel der Aufgaben richtig gehabt und war kurz davor, die ganze Idee wieder zu verwerfen. Mein Freund hat mich dann überredet, einfach mal vier Wochen nur Grundlagen zu wiederholen. Das war die beste Entscheidung. Danach habe ich jede Woche eine komplette Testsimulation gemacht, um mich an die Länge zu gewöhnen.
Ankommen und warten
Ich war etwa eine halbe Stunde vor Einlass da, was ich jedem empfehlen kann. Die Schlange war schon ziemlich lang, und ich war mit Abstand eine der Älteren. Am Anfang hat mich das verunsichert, später war es mir egal. Nach der Kontrolle von Ausweis und Teilnahmebestätigung durfte man sich im Saal einen Platz aussuchen. Bis es wirklich losging, verging noch eine ganze Weile. In dieser Zeit wurden die Regeln erklärt. Besonders betont wurde, dass man nur im jeweils aktuellen Testteil arbeiten darf. Wer zurück- oder vorblättert, riskiert den Ausschluss.
Drei Stunden ohne Pause
Was ich wirklich unterschätzt hatte: Es gibt zwischendurch keine Pause. Beim Üben habe ich mir immer kleine Auszeiten gegönnt, im echten Test geht es einfach durch. Gegen Ende habe ich gemerkt, wie meine Konzentration nachlässt. Traubenzucker hat mir da tatsächlich geholfen, und ich habe mir angewöhnt, vor jedem neuen Abschnitt einmal tief durchzuatmen und kurz die Schultern zu lockern.
Beim figuralen Denken – Figuren drehen, spiegeln, Muster erkennen – hatte ich dann einen richtigen Lauf. Vielleicht hilft mir da meine Arbeit, in der Ergotherapie hat man viel mit räumlicher Wahrnehmung zu tun. Das verbale Schlussfolgern fand ich dagegen tückisch, weil sich die Antwortmöglichkeiten oft nur in einem einzigen Wort unterscheiden.
Die englischen Texte waren für mich am anstrengendsten. In meiner Ausbildung hatte ich kaum mit englischer Fachliteratur zu tun, und mein Schulenglisch war ziemlich eingerostet. Ich habe mir deshalb in der Vorbereitung angewöhnt, nicht jedes Wort verstehen zu wollen, sondern zuerst die Fragen zu überfliegen und dann gezielt nach den Kernaussagen zu suchen. Das hat im Test gut funktioniert.
An alle, die später einsteigen
Lasst euch nicht abschrecken, wenn ihr nicht direkt nach dem Abi studieren wollt. Ja, man muss Mathe wiederholen, und ja, das kostet Nerven. Aber es ist machbar, auch neben dem Job. Informiert euch unbedingt, ob eure Wunsch-Uni zusätzlich Bonuspunkte für eine abgeschlossene Ausbildung oder Berufserfahrung vergibt. In Kombination mit dem BaPsy kann das richtig viel ausmachen. Mein Ergebnis habe ich inzwischen: Prozentrang 74. Kein Spitzenwert, aber zusammen mit meinen Bonuspunkten hat es für eine Zusage gereicht. Im Oktober geht es los, und ich kann es kaum erwarten.
