Erfahrungen Duales Studium Elektrotechnik: So lief der Auswahltest
Ein Erfahrungsbericht über den Einstellungstest, technische Aufgaben und das Vorstellungsgespräch beim Dualen Partner.
Ich habe mich schon immer dafür interessiert, wie elektronische Geräte funktionieren, und in meiner Freizeit gerne an kleinen technischen Projekten gebastelt. Als ich in der Schule auf das duale Studium Elektrotechnik aufmerksam wurde, war deshalb schnell klar, dass ich mich bewerben wollte.
Besonders ansprechend fand ich die Möglichkeit, im Rahmen eines dualen Studiums abwechselnd an der Hochschule zu studieren und schon in einem Unternehmen mitzuarbeiten. Meine Bewerbung ging schließlich an einen mittelständischen Hersteller von Automatisierungstechnik. Wenige Wochen später begann mein Auswahlverfahren – und das verlief teilweise ganz anders, als ich erwartet hatte.
Der erste Kontakt: Ein überraschender Anruf
Nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt hatte, rechnete ich mit einer längeren Wartezeit. Tatsächlich klingelte aber schon nach wenigen Tagen mein Handy. Am anderen Ende meldete sich eine Mitarbeiterin aus der Personalabteilung. Sie bedankte sich für meine Bewerbung und wollte ein paar Fragen zu meinem Interesse an Elektrotechnik stellen.
Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Besonders überrascht war ich, als sie wissen wollte, welches technische Projekt ich zuletzt selbst umgesetzt hatte. Zum Glück konnte ich von einer kleinen Schaltung erzählen, die ich mit einem Mikrocontroller programmiert hatte.
Das Gespräch dauerte rund zehn Minuten. Anschließend wurde ich zu einem persönlichen Auswahltag im Unternehmen eingeladen. In der E-Mail stand, dass ich mich auf einen schriftlichen Test, eine praktische Aufgabe und ein Gespräch einstellen sollte.
Der Einstellungstest zum dualen Studium Elektrotechnik
Am Auswahltag sollte ich um 8 Uhr 30 vor Ort sein. Nachdem ich mich am Empfang angemeldet hatte, wurde ich von einem Ausbilder abgeholt. Zusammen mit zwei anderen Bewerbern ging es in einen Schulungsraum.
Nach einer kurzen Vorstellung des Unternehmens begann der schriftliche Einstellungstest. Dafür hatten wir insgesamt 75 Minuten Zeit. Zunächst ging es um mathematische Grundlagen. Ich musste Gleichungen umstellen, mit Brüchen rechnen und verschiedene Größen umwandeln. Anschließend folgten Aufgaben aus der Physik, beispielsweise zu Kräften, Energie und elektrischen Größen.
Besonders interessant fand ich die Fragen zum technischen Verständnis. Dabei wurden unter anderem einfache Stromkreise gezeigt, bei denen wir bestimmte Zusammenhänge erkennen sollten. Ein paar Aufgaben konnte ich sofort lösen, bei anderen musste ich erst einmal überlegen.
Schwieriger fand ich den Abschnitt zum logischen Denken. Dort ging es unter anderem um Figurenreihen, Zahlenfolgen und räumliche Muster. Weil für jeden Aufgabenbereich nur eine begrenzte Zeit vorgesehen war, musste ich ziemlich konzentriert arbeiten.
Praktische Aufgabe: Plötzlich ging es in die Werkstatt
Nach dem schriftlichen Test wurden wir in einen Ausbildungsraum geführt, in dem mehrere kleine Arbeitsplätze vorbereitet waren. Dort wartete eine praktische Aufgabe auf uns.
Jeder bekam ein Steckbrett, einige elektronische Bauteile und eine einfache Schaltungszeichnung. Unsere Aufgabe bestand darin, die dargestellte Schaltung nachzubauen und ihre Funktion zu überprüfen. Bevor wir loslegten, erklärte uns der Ausbilder die Sicherheitsregeln und die bereitgestellten Materialien.
Ich war zunächst etwas nervös, denn mit genau diesen Bauteilen hatte ich vorher noch nicht gearbeitet. Zum Glück war die Aufgabe so aufgebaut, dass man auch ohne umfangreiche Vorkenntnisse zurechtkommen konnte.
Bei meinem ersten Versuch funktionierte die Schaltung allerdings nicht. Ich kontrollierte die Verbindungen und stellte fest, dass ich ein Bauteil falsch eingesetzt hatte. Nachdem ich den Fehler korrigiert hatte, leuchtete die LED wie vorgesehen.
Der Ausbilder fragte mich anschließend, wie ich auf die Fehlerursache gekommen sei. Ich erklärte ihm meine Vorgehensweise. Dabei hatte ich den Eindruck, dass ihn weniger die Geschwindigkeit interessierte als die Frage, ob ich systematisch an technische Probleme herangehe.
Das Bewerbungsgespräch
Nach einer Mittagspause stand das persönliche Bewerbungsgespräch auf dem Programm. Im Raum saßen der Ausbildungsleiter und ein Ingenieur aus der Entwicklungsabteilung. Beide wirkten freundlich, sodass meine anfängliche Nervosität schnell nachließ.
Natürlich wollten sie wissen, warum ich Elektrotechnik dual studieren wollte. Außerdem fragten sie nach meinen Lieblingsfächern, meinen bisherigen technischen Erfahrungen und meinen Erwartungen an die Praxisphasen.
Dann kam eine Frage, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte: Was würde ich machen, wenn ich nach mehreren Stunden Arbeit feststelle, dass mein Lösungsansatz für ein technisches Problem wahrscheinlich falsch ist?
Ich musste kurz überlegen. Schließlich antwortete ich, dass ich meine bisherigen Schritte überprüfen, gegebenenfalls Unterstützung holen und anschließend einen anderen Ansatz ausprobieren würde. Der Ingenieur hakte nach und wollte wissen, ob ich mich darüber ärgern würde, bereits so viel Zeit investiert zu haben.
Ich sagte, dass mich das natürlich zunächst frustrieren würde, Fehler aber zur technischen Entwicklung dazugehören. Diese Antwort schien ihm zu gefallen.
Die entscheidende Nachricht
Nach dem Gespräch war der eigentliche Auswahltag beendet. Bevor ich nach Hause fuhr, zeigte mir der Ausbildungsleiter noch einen Teil der Entwicklungsabteilung. Dort konnte ich sehen, an welchen Steuerungssystemen das Unternehmen gerade arbeitete.
Auf dem Heimweg war ich ziemlich erschöpft. Insgesamt hatte alles mehrere Stunden gedauert, und besonders die praktische Aufgabe ging mir noch einmal durch den Kopf. Ob mein kleiner Fehler negativ bewertet wurde, konnte ich überhaupt nicht einschätzen.
Fünf Tage später erhielt ich schließlich einen Anruf aus der Personalabteilung. Man wollte mir einen Studienplatz anbieten! Darüber habe ich mich riesig gefreut.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Rückblickend war das Auswahlverfahren eine interessante Erfahrung. Am meisten überrascht hat mich, wie unterschiedlich die einzelnen Aufgaben waren. Neben Mathematik und Physik wurden auch logisches Denken, praktische Fähigkeiten und meine persönliche Motivation geprüft.
Wenn ich mich noch einmal bewerben müsste, würde ich vor allem mehr Aufgaben unter Zeitdruck trainieren. Beim schriftlichen Test hatte ich mich manchmal zu lange mit einzelnen Fragen beschäftigt. Außerdem würde ich grundlegende elektrische Schaltungen und physikalische Zusammenhänge noch einmal gezielt wiederholen.
