Erfahrungen Duales Studium Gesundheitsmanagement: Einstellungstest, Fallstudie und Vorstellungsgespräch
Eine Bewerberin berichtet von ihrem Auswahlverfahren in einer Klinik und gibt Tipps zur Vorbereitung.
Vor meinem Abitur hatte ich noch über eine Ausbildung in der Pflege nachgedacht, aber während eines Schulpraktikums in einem Krankenhaus merkte ich, dass mich besonders die organisatorischen Abläufe interessierten. Wie wird der Dienstplan erstellt? Wer kümmert sich um die Finanzierung? Und wie schafft es eine Klinik, trotz begrenzter Ressourcen möglichst viele Patienten gut zu versorgen?
Als ich auf das duale Studium Gesundheitsmanagement aufmerksam wurde, hatte ich das Gefühl, genau das Richtige gefunden zu haben. Ich bewarb mich bei einer größeren Klinikgruppe und wurde einige Wochen später zu einem Auswahltag eingeladen.
Duales Studium Gesundheitsmanagement: Bewerbung und Videogespräch
Bei der Suche nach einem Praxispartner hatte ich mir verschiedene Stellenangebote angesehen. Besonders interessant fand ich eine Klinikgruppe, die mehrere Krankenhäuser und Rehaeinrichtungen betreibt. Laut Stellenausschreibung sollten die dual Studierenden während ihrer Praxisphasen unterschiedliche Abteilungen kennenlernen.
Meine Bewerbung bestand aus einem Lebenslauf, meinen letzten Schulzeugnissen und einem Motivationsschreiben. Darin erklärte ich, weshalb ich gerne im Gesundheitswesen arbeiten möchte, und dass ich mich vor allem für wirtschaftliche und organisatorische Aufgaben interessiere.
Nach ungefähr zehn Tagen erhielt ich eine Einladung zu einem kurzen Videogespräch. Eine Mitarbeiterin aus der Personalabteilung fragte mich nach meinem schulischen Werdegang und meinen Erwartungen an das duale Studium. Das Gespräch dauerte etwa 20 Minuten und verlief ziemlich entspannt. Zwei Tage später kam die nächste Einladung: Ich durfte am persönlichen Auswahltag teilnehmen.
Ein ungewöhnlicher Start in den Auswahltag
Als ich morgens um 9 Uhr in der Klinik ankam, war ich ziemlich nervös. Im Besprechungsraum warteten bereits vier weitere Bewerberinnen und Bewerber. Nach einer kurzen Begrüßung erklärte uns die Personalreferentin, wie der Tag ablaufen würde.
Zu meiner Überraschung begann das Auswahlverfahren nicht mit einem Einstellungstest. Stattdessen bekamen wir zunächst eine kleine Führung durch das Krankenhaus. Dabei besuchten wir unter anderem die Patientenaufnahme und die zentrale Verwaltung. Besonders interessant fand ich, wie viele organisatorische Schritte notwendig sind, bevor ein Patient überhaupt auf einer Station aufgenommen werden kann.
Nach der Führung sollten wir unsere Eindrücke kurz schildern. Jeder bekam die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ich hatte den Eindruck, dass die Personalverantwortlichen bereits dabei darauf achteten, wie interessiert und aufmerksam wir waren.
Einstellungstest Duales Studium Gesundheitsmanagement: Zahlen, Statistik und ziemlich wenig Zeit
Anschließend stand der schriftliche Eignungstest auf dem Programm. Dafür hatten wir insgesamt 60 Minuten Zeit.
Im ersten Abschnitt ging es um Mathematik und Zahlenverständnis. Ich musste Prozentrechnungen durchführen, Zahlenverhältnisse vergleichen und einfache Textaufgaben lösen. Einige Fragen bezogen sich auf typische betriebliche Situationen, zum Beispiel Kostenentwicklungen oder die Auslastung einer Einrichtung.
Danach kamen Aufgaben zur Auswertung von Diagrammen und Tabellen. Wir bekamen statistische Angaben und sollten daraus bestimmte Informationen ableiten. Diesen Abschnitt fand ich schon ziemlich anspruchsvoll. Die Berechnungen waren zwar nicht übermäßig schwierig, aber man musste die Angaben sehr genau lesen. Bei einer Aufgabe hatte ich eine Zahl zuerst falsch interpretiert und bemerkte meinen Fehler erst kurz vor Ablauf der Bearbeitungszeit.
Zum Schluss kamen noch einige Fragen zum logischen Denken und zum Sprachverständnis. Insgesamt war der Zeitdruck für mich die größte Herausforderung.
Eine Fallstudie aus dem Krankenhausalltag
Nach einer kurzen Pause folgte die Aufgabe, die mir am stärksten in Erinnerung geblieben ist: Wir sollten uns vorstellen, dass wir im Verwaltungsbereich einer Klinik arbeiten und ein organisatorisches Problem lösen müssen. In der Aufgabenstellung wurde beschrieben, dass es bei der Terminvergabe für bestimmte Untersuchungen regelmäßig zu längeren Wartezeiten kommt. Gleichzeitig standen nur begrenzte personelle und räumliche Kapazitäten zur Verfügung.
Unsere Aufgabe bestand darin, mögliche Ursachen zu erkennen und Verbesserungsvorschläge zu entwickeln. Dafür bekamen wir einige Informationen zu Terminzeiten, Auslastung und Personalbesetzung. Wir sollten zehn Minuten allein überlegen und anschließend unsere Ideen in einer Gruppe besprechen.
Die Diskussion verlief ziemlich lebhaft. Einige wollten zusätzliche Termine anbieten, andere schlugen vor, die bestehenden Abläufe besser zu koordinieren. Ich brachte die Idee ein, zunächst zu prüfen, zu welchen Tageszeiten besonders viele Patienten warten müssen.
Am Ende präsentierten wir unsere gemeinsamen Vorschläge. Ob unsere Lösung tatsächlich funktioniert hätte, weiß ich nicht. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass es den Beobachtern vor allem um unsere Herangehensweise und Zusammenarbeit ging.
Das Gespräch mit der Klinikleitung
Am Nachmittag wurde ich dann zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Neben einer Mitarbeiterin der Personalabteilung saß auch ein Vertreter des Klinikmanagements am Tisch.
Als erstes sollte ich erzählen, was mir während des Auswahltags besonders aufgefallen war. Ich berichtete von der Patientenaufnahme und erklärte, dass mich die Verbindung zwischen medizinischen und organisatorischen Abläufen beeindruckt hatte. Anschließend wurde ich gefragt, wie ich mit stressigen Situationen umgehe und was ich machen würde, wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig dringend erledigt werden müssen.
Besonders nachdenklich machte mich eine andere Frage: Was ist wichtiger: die Wirtschaftlichkeit eines Krankenhauses oder die Zufriedenheit der Patienten? Ich antwortete, dass sich beides meiner Meinung nach nicht einfach gegeneinander ausspielen lässt. Eine Klinik muss wirtschaftlich arbeiten, gleichzeitig darf die Qualität der Versorgung nicht darunter leiden. Deshalb komme es darauf an, gute Lösungen zu finden, die beide Aspekte berücksichtigen.
Darüber diskutierten wir noch einige Minuten. Das Gespräch war deutlich fachlicher, als ich erwartet hatte, aber auch ziemlich interessant.
Was ich aus dem Auswahlverfahren mitgenommen habe
Nach dem Gespräch war mein Auswahltag beendet. Zum Abschied erklärte uns die Personalreferentin, dass wir innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Rückmeldung erhalten würden. Ich fuhr mit einem guten Gefühl nach Hause, war aber gleichzeitig unsicher. Beim schriftlichen Test hatte ich nicht alle Aufgaben geschafft. Andererseits fand ich, dass ich mich bei der Fallstudie und im Vorstellungsgespräch gut gemachtt hatte.
Nach acht Tagen erhielt ich schließlich einen Anruf. Die Klinikgruppe wollte mir einen Studienplatz anbieten! Ich konnte es kaum glauben und freute mich riesig.
Wenn ich mich noch einmal bewerben müsste, würde ich vor allem die Auswertung von Tabellen und Diagrammen intensiver üben. Außerdem würde ich mich noch ausführlicher über die Finanzierung und Organisation von Krankenhäusern informieren.
Mein Tipp an alle, die sich für ein duales Studium Gesundheitsmanagement bewerben möchten: Bereitet euch intensiv auf den Einstellungstest vor, aber beschäftigt euch auch mit den Besonderheiten eures zukünftigen Praxispartners. Wer erklären kann, weshalb ihn die Gesundheitsbranche interessiert und welche Herausforderungen dort bestehen, hat im Vorstellungsgespräch gute Argumente.
