Erfahrungen Duales Studium Maschinenbau: Bericht vom Bewerbertag
Ein Bewerber erzählt, was es mit dem Einstellungstest, technischen Aufgaben und dem Vorstellungsgespräch auf sich hatte.
Mit Technik hatte ich schon immer viel zu tun. Mein Vater arbeitet in einer Werkstatt, und als Kind durfte ich ihm manchmal beim Reparieren von Maschinen zuschauen. Später habe ich selbst angefangen, kleine Modelle zu bauen und mich mit technischen Zeichnungen zu beschäftigen. Deshalb stand für mich nach dem Abitur fest, dass ich Maschinenbau studieren möchte.
Besonders interessierte mich ein duales Studium, weil ich nicht ausschließlich im Hörsaal sitzen wollte. Meine Bewerbung bei einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen war schnell abgeschickt. Einige Wochen später erhielt ich eine Einladung zu einem Auswahltag.
Duales Studium Maschinenbau: Der schriftliche Einstellungstest
In der Einladung stand, dass ich einen ganzen Vormittag einplanen sollte. Außerdem wurde empfohlen, einen Taschenrechner und Schreibmaterial mitzubringen. Als ich um 8 Uhr im Unternehmen ankam, warteten bereits fünf andere Bewerberinnen und Bewerber im Empfangsbereich.
Nach einer kurzen Begrüßung führte uns ein Mitarbeiter der Personalabteilung in einen Besprechungsraum. Dort erhielten wir zunächst Informationen über das duale Studium und die verschiedenen Abteilungen, die wir während unserer Praxisphasen kennenlernen würden. Anschließend begann der schriftliche Einstellungstest. Für den gesamten Test hatten wir ungefähr 75 Minuten Zeit.
Der Einstellungstest bestand aus mehreren Aufgabenbereichen. Zunächst ging es um Mathematik. Wir mussten Gleichungen lösen, Flächen und Volumen berechnen sowie verschiedene Maßeinheiten umrechnen. Danach folgten Aufgaben zum technischen Verständnis. Besonders häufig kamen mechanische Zusammenhänge vor, beispielsweise Zahnräder, Hebel und einfache Kraftübertragungen.
Bei einer Aufgabe musste ich anhand einer Zeichnung erkennen, in welche Richtung sich mehrere miteinander verbundene Zahnräder drehen. Das klang zunächst einfach, aber bei größeren Anordnungen musste ich ziemlich genau hinschauen. Anschließend wurden unsere räumlichen Fähigkeiten geprüft. Wir sollten unter anderem erkennen, wie dreidimensionale Körper aus unterschiedlichen Perspektiven aussehen.
Praktische Aufgabe: Eine Büroklammer als technische Herausforderung
Nach einer kurzen Pause wurden wir in einen anderen Raum geführt. Auf jedem Tisch lagen mehrere Büroklammern, Papier, Klebeband und eine kleine Kunststoffkugel. Unsere Aufgabe lautete, innerhalb von 25 Minuten eine möglichst stabile Konstruktion zu entwickeln, die eine Kugel auf einer bestimmten Höhe halten konnte. Dabei durften wir ausschließlich die bereitgestellten Materialien verwenden.
Zuerst musste ich überlegen, wie ich aus den einfachen Gegenständen überhaupt eine tragfähige Konstruktion bauen sollte. Schließlich entschied ich mich für eine dreieckige Grundstruktur, weil diese vergleichsweise stabil sein sollte.
Die ersten Versuche klappten allerdings nicht besonders gut. Meine Konstruktion kippte immer wieder zur Seite. Also veränderte ich die Anordnung der Stützen und versuchte, das Gewicht besser zu verteilen. Am Ende stand das kleine Gebilde tatsächlich, wenn auch etwas schief.
Der betreuende Ingenieur fragte mich anschließend, weshalb ich mich für diese Konstruktion entschieden hatte und was ich bei einem zweiten Versuch verbessern würde. Ich erklärte ihm meine Überlegungen und gab zu, dass ich die Stabilität anfangs falsch eingeschätzt hatte. Das schien kein Problem zu sein. Vielmehr interessierte ihn, wie ich den Fehler erkannt und meine Lösung verändert hatte.
Eine spontane Präsentation vor den anderen
Eigentlich dachte ich, dass wir nach der praktischen Aufgabe erst einmal fertig wären. Stattdessen sollten wir unsere Konstruktionen den anderen Bewerbern vorstellen.Jeder bekam ungefähr drei Minuten Zeit, um seine Idee zu erklären. Dabei ging es nicht nur darum, ob die Konstruktion funktionierte. Wir sollten auch beschreiben, welche Schwierigkeiten aufgetreten waren und wie wir damit umgegangen waren.
Ich war etwas nervös, weil ich nicht besonders gerne vor fremden Menschen spreche. Trotzdem gelang es mir, meine Vorgehensweise verständlich zu erklären. Interessant fand ich, wie unterschiedlich die Lösungen der anderen aussahen. Obwohl wir alle dieselben Materialien bekommen hatten, war jede Konstruktion anders aufgebaut.
Duales Studium Maschinenbau: Persönliches Vorstellungsgespräch
Zum Abschluss wurde ich zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen. Mir saßen eine Personalreferentin und ein Ingenieur aus der Konstruktionsabteilung gegenüber. Zuerst ging es um meine Motivation. Ich sollte erklären, warum ich Maschinenbau dual studieren möchte und welche technischen Bereiche mich besonders interessieren.
Anschließend fragte mich der Ingenieur, was meiner Meinung nach einen guten Maschinenbauingenieur ausmacht. Ich antwortete, dass neben technischem Wissen auch Kreativität, Genauigkeit und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit wichtig seien.
Danach kamen wir auf die praktische Aufgabe zurück. Der Ingenieur wollte wissen, ob ich mit meiner Konstruktion zufrieden gewesen sei. Ich erklärte, dass ich mich über das funktionierende Ergebnis gefreut hätte, bei mehr Zeit aber einige Veränderungen vorgenommen hätte. Daraufhin fragte er, ob ich eher perfektionistisch sei oder lieber schnell zu einer brauchbaren Lösung komme.
Diese Frage fand ich gar nicht so einfach. Ich antwortete schließlich, dass es auf die Situation ankomme. Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen sei Genauigkeit besonders wichtig, während man bei ersten Entwürfen auch verschiedene Ideen ausprobieren müsse.
Entscheidung nach zehn Tagen
Nach dem Vorstellungsgespräch war mein Auswahltag beendet. Auf dem Heimweg dachte ich vor allem über die praktische Aufgabe nach. Hatte meine etwas schiefe Konstruktion einen schlechten Eindruck hinterlassen? Zehn Tage später erhielt ich schließlich einen Anruf aus der Personalabteilung. Das Unternehmen bot mir einen Studienplatz an!
