Erfahrungen Duales Studium Polizei: Auswahlverfahren Polizei Hessen
Erfahrungsbericht zum Auswahlverfahren der Polizei Hessen: Computertest, Sporttest, Gruppenaufgabe, Interview und Polizeiärztliche Untersuchung.
Als ich mich für das duale Studium bei der Polizei Hessen bewarb, wusste ich natürlich, dass ein anspruchsvolles Auswahlverfahren auf mich zukommen würde. Trotzdem war ich ziemlich aufgeregt, als ich schließlich nach Wiesbaden fuhr. Dort sollte sich entscheiden, ob ich meinem Traum vom Polizeiberuf einen Schritt näherkommen würde.
Anreise nach Wiesbaden: Jetzt wird es ernst
Meine Bewerbung bei der Polizei Hessen hatte ich einige Monate zuvor über das Online-Portal eingereicht. Anschließend musste ich warten, bis ich dann die Einladung zum Eignungsauswahlverfahren erhielt. Zur Vorbereitung hatte ich regelmäßig Aufgaben aus Polizei-Einstellungstests geübt und mehrmals pro Woche Sport gemacht. Besonders den Achterlauf und den Fünfer-Sprunglauf hatte ich intensiv trainiert.
Am Prüfungstag war ich früh an der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit in Wiesbaden. Dort traf ich auf andere Bewerberinnen und Bewerber, die genauso angespannt wirkten wie ich. Nach der Begrüßung wurden uns die wichtigsten Regeln erklärt. Außerdem erfuhren wir, wie die einzelnen Prüfungsstationen organisiert waren.
Duales Studium Polizei: Der Computertest
Los ging es mit dem Computertest. Dafür waren ungefähr zweieinhalb Stunden vorgesehen. Ich hatte mich zwar gründlich vorbereitet, war aber trotzdem gespannt, welche Aufgaben tatsächlich vorkommen würden.
Als erstes musste ich verschiedene Aufgaben zum logischen Denken bearbeiten. Dabei ging es beispielsweise darum, Zusammenhänge zu erkennen und aus vorgegebenen Informationen die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.
Danach folgten Aufgaben zur Konzentrationsfähigkeit. Unter Zeitdruck musste ich bestimmte Informationen vergleichen und möglichst fehlerfrei arbeiten. Besonders anspruchsvoll fand ich den Rechtschreibteil. Bei einigen Wörtern war ich mir ziemlich sicher, bei anderen musste ich länger überlegen.
Zwischendurch wurden außerdem unterschiedliche persönliche Einschätzungen abgefragt. Dabei versuchte ich, ehrlich zu antworten und nicht lange darüber nachzudenken, welche Antwort vielleicht besonders gut ankommen könnte.
Als der Computertest vorbei war, war ich ziemlich erschöpft. Vor allem die Konzentrationsaufgaben hatten mich angestrengt.
Duales Studium Polizei: Der Sporttest
Danach stand der Teil an, vor dem ich am meisten Respekt hatte: der Sporttest. Bei der Polizei Hessen gehören dazu der Achterlauf, Bankdrücken, Fünfer-Sprunglauf und 500-Meter-Wendelauf. Beim Achterlauf musste ich fünf Runden absolvieren und dabei möglichst schnell und koordiniert bleiben. Gerade die Richtungswechsel waren anstrengender, als ich erwartet hatte. Anschließend ging es zum Bankdrücken. Hier war ich vergleichsweise zuversichtlich, weil ich vorher regelmäßig Krafttraining gemacht hatte.
Beim Fünfer-Sprunglauf kam es darauf an, mit fünf aufeinanderfolgenden Sprüngen eine möglichst große Strecke zurückzulegen. Ich versuchte, nicht zu hektisch zu werden und einen gleichmäßigen Rhythmus zu finden. Zum Abschluss folgte der 500-Meter-Wendelauf. Das war für mich eindeutig die anstrengendste Disziplin. Die letzten Meter musste ich mich noch einmal richtig zusammenreißen. Als ich schließlich im Ziel war, war ich völlig außer Atem, aber auch unglaublich erleichtert.
Duales Studium Polizei: Die Gruppenaufgabe
Nach dem Sporttest folgte eine Gruppenaufgabe. Gemeinsam mit mehreren anderen Bewerbern sollten wir eine vorgegebene Fragestellung diskutieren und zu einem Ergebnis kommen. Wir bekamen zunächst etwas Zeit, uns mit dem Thema zu beschäftigen. Anschließend begann die Diskussion.
Anfangs lief alles ziemlich harmonisch. Jeder brachte eigene Vorschläge ein, und wir versuchten, die unterschiedlichen Argumente zu sammeln. Dann entstand allerdings eine Meinungsverschiedenheit darüber, welcher Lösungsvorschlag am sinnvollsten sei. Ich merkte, dass ich mich entscheiden musste: Sollte ich meine Position weiter verteidigen oder versuchen, die Diskussion wieder auf ein gemeinsames Ziel zu lenken?
Schließlich schlug ich vor, zunächst die wichtigsten Argumente beider Seiten zusammenzufassen. So konnten wir unsere unterschiedlichen Sichtweisen besser vergleichen und am Ende eine gemeinsame Entscheidung treffen. Ob das die beste Lösung war, wusste ich natürlich nicht. Ich hatte aber das Gefühl, mich konstruktiv eingebracht zu haben.
Duales Studium Polizei: Das Einzelinterview
Als letzte Station des ersten Prüfungstags stand das Einzelinterview auf dem Programm. Dafür waren ungefähr 45 Minuten vorgesehen. Mir saßen zwei Polizeibeamte gegenüber, die mich zunächst nach meinem bisherigen Werdegang und meiner Motivation für den Polizeiberuf fragten. Ich erklärte, dass ich gerne Verantwortung übernehmen und Menschen in schwierigen Situationen helfen möchte. Außerdem interessierte mich die abwechslungsreiche Arbeit der Polizei.
Dann wurde ich gefragt, welche Nachteile der Polizeiberuf meiner Meinung nach hat. Ich nannte unter anderem Schichtdienst, belastende Einsätze und die Möglichkeit, mit gefährlichen Situationen konfrontiert zu werden.
Besonders nachdenklich machte mich eine andere Frage: Was würde ich tun, wenn ein guter Freund eine Straftat begeht und mich bittet, niemandem davon zu erzählen? Ich überlegte kurz und antwortete, dass persönliche Beziehungen nicht über den gesetzlichen Pflichten stehen dürfen. Gleichzeitig erklärte ich, dass eine solche Situation menschlich natürlich schwierig wäre.
Anschließend sprachen wir über Teamarbeit, Konflikte und persönliche Erfahrungen. Das Gespräch war anspruchsvoll, aber die beiden Beamten blieben die ganze Zeit sachlich und freundlich.
Der erste Tag ist geschafft – aber reicht es?
Nach den Prüfungsstationen des ersten Tages erhielten wir eine Rückmeldung zu unserer Eignung. Ich war unglaublich erleichtert, als ich erfuhr, dass ich die Prüfungsabschnitte erfolgreich absolviert hatte. Allerdings bedeutete das noch nicht, dass ich bereits einen Studienplatz sicher hatte. Schließlich musste auch die gesundheitliche Eignung festgestellt werden. Außerdem hängt die spätere Einstellung unter anderem vom Prüfungsergebnis und der Rangfolge der Bewerber ab.
Duales Studium Polizei: Die polizeiärztliche Untersuchung
Am nächsten Prüfungstag stand die polizeiärztliche Untersuchung auf dem Programm. Dabei sollte festgestellt werden, ob ich gesundheitlich für den Polizeivollzugsdienst geeignet bin. Zunächst wurden verschiedene Angaben zu meiner gesundheitlichen Vorgeschichte besprochen. Außerdem fanden mehrere Untersuchungen statt.
Dazu gehörten unter anderem ein Seh- und Hörtest, eine allgemeine körperliche Untersuchung und Untersuchungen der Herz-Kreislauf-Belastbarkeit. Besonders beim Sehtest war ich etwas nervös, obwohl ich bisher keine Probleme mit meinen Augen gehabt hatte. Die Untersuchung verlief insgesamt ruhig und sachlich. Ich hatte den Eindruck, dass es vor allem darauf ankam, ein möglichst genaues Bild meiner gesundheitlichen Voraussetzungen zu gewinnen.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Rückblickend waren die beiden Prüfungstage ziemlich anstrengend. Am meisten geholfen hat mir, dass ich mich frühzeitig mit dem offiziellen Ablauf beschäftigt hatte. Für den Computertest würde ich vor allem Konzentration, Rechtschreibung und logisches Denken trainieren. Beim Sporttest ist meiner Meinung nach entscheidend, die konkreten Disziplinen regelmäßig zu üben und nicht erst wenige Wochen vor dem Termin anzufangen.
Auch die Vorbereitung auf das Einzelinterview sollte man nicht unterschätzen. Es reicht nicht aus, einfach nur zu sagen, dass man gerne Menschen helfen möchte. Man sollte sich wirklich mit den Aufgaben, Pflichten und Herausforderungen des Polizeiberufs auseinandersetzen.
Mein wichtigster Tipp für alle, die sich auf das Auswahlverfahren der Polizei Hessen vorbereiten möchten: Nehmt jede Prüfungsstation ernst und bleibt trotzdem möglichst gelassen. Ihr müsst nicht auf jede Frage sofort eine perfekte Antwort haben. Viel wichtiger ist, dass ihr zeigen könnt, warum ihr zur Polizei möchtet und dass ihr euch mit den Anforderungen des Berufs beschäftigt habt.
