Erfahrungen Duales Studium Soziale Arbeit: „Ein Rollenspiel, das mich ziemlich ins Schwitzen brachte“
Erfahrungsbericht zum dualen Studium Soziale Arbeit: Vorstellungsgespräch, Rollenspiel und Kennenlerntag beim Praxispartner
„Wie würden Sie reagieren, wenn ein Jugendlicher plötzlich laut wird und das Gespräch abbricht?“ Diese Frage stellte mir eine Sozialpädagogin während meines Auswahlverfahrens für das duale Studium Soziale Arbeit. Eigentlich hatte ich mich auf ein ganz normales Vorstellungsgespräch eingestellt. Stattdessen sollte ich wenige Minuten später selbst in die Rolle einer pädagogischen Fachkraft schlüpfen.
Rückblickend war das einer der spannendsten, aber auch schwierigsten Momente meiner Bewerbung. Wie ich zu diesem Auswahltag gekommen bin und was ich dabei erlebt habe, möchte ich hier erzählen.
Mein Wunsch: Mit Jugendlichen arbeiten
Nach dem Abitur war für mich klar, dass ich später mit Menschen arbeiten möchte. Während der Schulzeit hatte ich ehrenamtlich bei einer Hausaufgabenbetreuung mitgeholfen und dabei gemerkt, wie viel Freude mir die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht.
Eine klassische Ausbildung kam für mich zunächst ebenso infrage wie ein Studium. Als ich mich genauer informierte, entdeckte ich das duale Studium Soziale Arbeit. Besonders interessant fand ich, dass man dabei wissenschaftliche Grundlagen lernt und gleichzeitig praktische Erfahrungen sammelt. Über die Website einer Dualen Hochschule wurde ich schließlich auf einen freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe aufmerksam.
Der Träger betreibt mehrere Wohngruppen und bietet außerdem ambulante Hilfen für Familien an. Ich bewarb mich mit meinem Lebenslauf, den letzten Schulzeugnissen und einem Motivationsschreiben.
Duales Studium Soziale Arbeit: Online-Fragebogen
Etwa zwei Wochen nach meiner Bewerbung erhielt ich eine E-Mail. Darin wurde ich gebeten, einen kurzen Online-Fragebogen auszufüllen. Anders als erwartet ging es dabei kaum um Schulwissen. Stattdessen sollte ich beschreiben, weshalb ich Soziale Arbeit studieren wollte und welche Erfahrungen ich bereits mit Kindern und Jugendlichen gesammelt hatte.
Außerdem gab es einige Fragen zu meinem Verhalten in schwierigen Situationen. Beispielsweise sollte ich erklären, wie ich damit umgehe, wenn andere Menschen eine völlig andere Meinung vertreten. Ich versuchte, möglichst offen und ehrlich zu antworten. Schließlich wollte ich nicht den Eindruck vermitteln, dass ich bereits auf jede schwierige Situation vorbereitet wäre.
Ein Nachmittag in der Jugendhilfe
Einige Tage später wurde ich zu einem persönlichen Kennenlerntag eingeladen. Der Termin begann um 13 Uhr in der Geschäftsstelle des Trägers. Insgesamt waren vier Bewerberinnen und Bewerber eingeladen worden.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde erklärte uns die Ausbildungskoordinatorin, welche Aufgaben die Einrichtung übernimmt und wie die Praxisphasen während des Studiums organisiert sind. Anschließend erzählte uns eine Sozialpädagogin von ihrem Berufsalltag. Besonders interessant fand ich, dass ihre Arbeit nicht nur aus Gesprächen mit Jugendlichen bestand. Auch Dokumentation, Hilfeplanung und die Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Familien gehörten dazu.
Danach erhielten wir eine kleine Aufgabe: Jeder sollte aufschreiben, welche Eigenschaften eine gute Fachkraft in der Sozialen Arbeit mitbringen sollte. Mir fielen zunächst Einfühlungsvermögen, Geduld und Verantwortungsbewusstsein ein. Im anschließenden Gespräch wurde aber schnell deutlich, dass auch klare Grenzen und professionelles Verhalten wichtig sind.
Duales Studium Soziale Arbeit: Rollenspiel
Nach einer kurzen Pause begann der Teil, vor dem ich am meisten Respekt hatte: ein Rollenspiel. Ich bekam eine kurze Situationsbeschreibung. Ein 15-jähriger Jugendlicher lebt in einer Wohngruppe und weigert sich seit mehreren Tagen, vereinbarte Aufgaben zu übernehmen. Als pädagogische Fachkraft sollte ich mit ihm ein Gespräch führen.
Die Rolle des Jugendlichen übernahm eine Mitarbeiterin des Trägers. Ich hatte fünf Minuten Zeit, mich auf die Situation vorzubereiten. Zu Beginn versuchte ich, ruhig nachzufragen, weshalb er die Aufgaben nicht erledigt hatte. Die Mitarbeiterin reagierte zunächst abweisend und erklärte, dass sie keine Lust auf weitere Regeln habe.
Ich merkte, wie ich nervöser wurde. Einerseits wollte ich Verständnis zeigen, andererseits sollte ich die vereinbarten Regeln nicht einfach ignorieren. Schließlich fragte ich, was ihn an der Situation besonders störe und ob wir gemeinsam überlegen könnten, wie die Aufgaben besser organisiert werden könnten.
Das Gespräch lief nicht perfekt. Zwischendurch wusste ich kurz nicht, wie ich reagieren sollte. Trotzdem gelang es mir, ruhig zu bleiben und die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen.
Nach dem Rollenspiel wurde ich gebeten, mein eigenes Verhalten einzuschätzen. Die Sozialpädagogin wollte wissen, was mir gut gelungen war und was ich beim nächsten Mal anders machen würde. Ich erklärte, dass ich versucht hatte, auf den Jugendlichen einzugehen, gleichzeitig aber etwas unsicher gewesen sei, wie deutlich ich Grenzen setzen sollte.
Daraufhin fragte sie, ob ich glaube, dass man in der Sozialen Arbeit immer sofort eine Lösung finden müsse. Ich antwortete, dass das wahrscheinlich gar nicht möglich sei. Manchmal gehe es zunächst darum, Vertrauen aufzubauen und die Gründe für ein bestimmtes Verhalten zu verstehen.
Im anschließenden Feedback erklärte sie, dass gerade die Fähigkeit zur Selbstreflexion eine wichtige Voraussetzung für den Beruf sei. Das fand ich ziemlich beruhigend. Offenbar wurde nicht erwartet, dass ich schon vor dem Studium wie eine ausgebildete Sozialpädagogin handle.
Duales Studium Soziale Arbeit: Einzelgespräch
Zum Abschluss hatte ich ein Einzelgespräch mit der Ausbildungskoordinatorin und einer Mitarbeiterin aus der Jugendhilfe. Dabei ging es unter anderem um meine Motivation, meine bisherigen Erfahrungen und meine Erwartungen an das duale Studium.
Besonders ausführlich sprachen wir darüber, wie ich mit emotional belastenden Situationen umgehen würde. Die beiden wollten beispielsweise wissen, was ich mache, wenn mich ein Problem aus der Arbeit auch nach Feierabend beschäftigt. Ich erklärte, dass ich versuchen würde, berufliche und private Themen bewusst zu trennen und schwierige Erlebnisse bei Bedarf im Team oder mit einer betreuenden Fachkraft zu besprechen.
Außerdem wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, später auch mit Menschen zu arbeiten, die ganz andere Lebenserfahrungen und Wertvorstellungen haben als ich. Nach ungefähr 30 Minuten war das Gespräch beendet. Ich durfte noch ein paar Fragen zu den Praxisphasen stellen und verabschiedete mich anschließend.
Auf dem Heimweg war ich ziemlich erschöpft. Besonders das Rollenspiel hatte mich beschäftigt. Ich fragte mich, ob ich zu zurückhaltend gewesen war und ob meine Antworten im Gespräch überzeugt hatten.
Rückmeldung per Telefon
Eine Woche später klingelte mein Handy. Die Ausbildungskoordinatorin meldete sich und teilte mir mit, dass ich eine Zusage erhalten würde. Ich war unglaublich erleichtert und freute mich riesig über die Nachricht. Sie erklärte mir außerdem, dass dem Team besonders meine Motivation, meine Offenheit und meine Bereitschaft zur Selbstreflexion gefallen hätten.
