Erfahrungen Duales Studium Wirtschaftsinformatik: „Wie mich ein Onlineshop ins Schwitzen brachte“
Erfahrungsbericht zum dualen Studium Wirtschaftsinformatik: So können Online-Test, IT-Fallstudie und Vorstellungsgespräch beim Dualen Partner ablaufen
„Unser Onlineshop verliert immer mehr Kunden. Was würden Sie dagegen unternehmen?“ Mit dieser Frage hatte ich bei meinem Auswahlverfahren für das duale Studium Wirtschaftsinformatik nicht gerechnet. Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass ich hauptsächlich mathematische und technische Aufgaben lösen müsste. Stattdessen sollte ich plötzlich herausfinden, weshalb ein fiktives Unternehmen immer weniger Bestellungen erhält.
Rückblickend war genau diese Aufgabe das Spannendste am gesamten Auswahlverfahren. Aber von Anfang an: So habe ich meine Bewerbung und den Einstellungstest bei meinem zukünftigen Dualen Partner erlebt.
Duales Studium Wirtschaftsinformatik: Zwischen zwei Welten
In der Schule gehörten Mathematik und Informatik zu meinen Lieblingsfächern. Gleichzeitig fand ich Wirtschaft interessant und wollte verstehen, wie Unternehmen funktionieren. Deshalb konnte ich mich zunächst nicht entscheiden, ob ich BWL oder Informatik studieren sollte. Als ich auf das duale Studium Wirtschaftsinformatik aufmerksam wurde, schien mir die Entscheidung plötzlich ganz einfach. Besonders gefiel mir, dass man dort beide Fachgebiete miteinander verbindet.
Ich bewarb mich bei einem größeren Handelsunternehmen, das einen eigenen Onlineshop betreibt und viele seiner Geschäftsprozesse digital organisiert. Die Bewerbung lief über ein Online-Portal. Neben meinem Lebenslauf und den Schulzeugnissen musste ich einige Fragen zu meiner Motivation beantworten. Nach knapp zwei Wochen bekam ich eine Einladung zu einem Online-Einstellungstest.
Duales Studium Wirtschaftsinformatik: Einstellungstest
Für den Online-Test hatte ich insgesamt 70 Minuten Zeit. Zunächst sollte ich einige technische Hinweise lesen und ein paar Übungsfragen bearbeiten. Danach ging es mit Mathematik los. Die Aufgaben beschäftigten sich unter anderem mit Prozentrechnung, Zahlenverhältnissen und einfachen Gleichungen. Bei einigen Fragen musste ich Tabellen auswerten und bestimmte Kennzahlen berechnen.
Anschließend folgten Aufgaben zum logischen Denken. Besonders schwierig fand ich einige Schlussfolgerungsaufgaben, bei denen mehrere Informationen miteinander kombiniert werden mussten.
Überrascht war ich vom nächsten Abschnitt. Hier ging es nicht um Programmierung, sondern um wirtschaftliche Zusammenhänge. Ich musste beispielsweise erkennen, welche Auswirkungen steigende Kosten auf den Gewinn eines Unternehmens haben können.
Zum Abschluss wurden einige grundlegende IT-Begriffe abgefragt. Außerdem gab es Aufgaben, bei denen ich einfache Programmabläufe nachvollziehen sollte. Insgesamt fand ich den Test machbar, allerdings war der Zeitdruck ziemlich hoch. Bei zwei Aufgaben musste ich schließlich raten, weil mir die Zeit davonlief.
Digitaler Auswahltag
Etwa eine Woche später erhielt ich eine positive Rückmeldung. Ich hatte den Online-Test bestanden und wurde zu einem digitalen Auswahltag eingeladen. Dabei traf ich in einer Videokonferenz auf drei weitere Bewerberinnen und Bewerber. Nach einer kurzen Begrüßung erklärte uns eine Mitarbeiterin aus der Personalabteilung den Ablauf.
Unsere erste Aufgabe war eine Fallstudie. Wir bekamen Infos zu einem fiktiven Onlineshop, dessen Bestellungen in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen waren. Dazu erhielten wir mehrere Tabellen mit Besucherzahlen, Bestellungen und Kaufabbrüchen. Außerdem gab es Beschreibungen möglicher technischer Probleme. Wir sollten gemeinsam herausfinden, welche Ursachen für den Rückgang verantwortlich sein könnten und welche Verbesserungen sinnvoll wären.
Zunächst fiel uns auf, dass die Besucherzahlen des Onlineshops sogar gestiegen waren. Trotzdem wurden weniger Bestellungen abgeschlossen. Ich schlug vor, die Conversion Rate zu vergleichen, also den Anteil der Besucher, die tatsächlich etwas kaufen. Dabei zeigte sich, dass dieser Wert deutlich gesunken war.
Ein anderer Bewerber bemerkte, dass besonders viele Kunden den Kaufvorgang auf dem Smartphone abbrachen. Daraus entstand die Vermutung, dass es möglicherweise Probleme mit der mobilen Darstellung oder dem Bestellprozess gab. Wir diskutierten verschiedene Lösungsansätze und entschieden uns schließlich dafür, eine technische Überprüfung des mobilen Checkouts vorzuschlagen.
Zusätzlich wollten wir die Ladezeiten analysieren und untersuchen, an welcher Stelle besonders viele Nutzer den Bestellvorgang abbrechen. Für die Gruppenarbeit hatten wir nur 25 Minuten Zeit. Deshalb mussten wir uns ziemlich schnell einigen und unsere Ergebnisse strukturieren. Im Anschluss sollten wir unsere Vorschläge vor zwei Mitarbeitern des Unternehmens präsentieren. Ich übernahm die Erklärung der Kennzahlen, während die anderen unsere technischen Lösungsansätze vorstellten.
Nach der Präsentation stellte uns ein Mitarbeiter aus der IT-Abteilung einige Rückfragen. Besonders interessierte ihn, wie wir feststellen würden, ob unsere vorgeschlagenen Maßnahmen erfolgreich waren. Ich erklärte, dass man die wichtigsten Kennzahlen vor und nach einer Veränderung vergleichen müsste. Außerdem könnte man neue Funktionen zunächst mit einem begrenzten Teil der Nutzer testen.
Persönliches Vorstellungsgespräch
Am Nachmittag folgte mein persönliches Vorstellungsgespräch. Daran nahmen eine Mitarbeiterin aus der Personalabteilung und ein IT-Projektleiter teil.
Erstmal ging es um meinen schulischen Werdegang und meine Motivation für das duale Studium Wirtschaftsinformatik. Dann fragte mich der Projektleiter, was ich machen würde, wenn ein Fachbereich eine neue Softwarefunktion verlangt, die technisch nur schwer umzusetzen ist. Ich antwortete, dass ich zunächst versuchen würde, die eigentlichen Anforderungen zu verstehen. Vielleicht ließe sich das gewünschte Ergebnis auch auf einem einfacheren Weg erreichen.
Anschließend sprachen wir darüber, wie wichtig Kommunikation zwischen IT-Abteilungen und anderen Unternehmensbereichen ist. Dabei wurde mir noch einmal deutlich, dass Wirtschaftsinformatiker nicht ausschließlich programmieren. Sie müssen häufig technische Sachverhalte erklären und zwischen unterschiedlichen Interessen vermitteln.
Mein Fazit: Es geht um mehr als IT-Wissen
Sechs Tage später kam schließlich die erhoffte Nachricht: Ich hatte die Zusage für das duale Studium Wirtschaftsinformatik bekommen! Rückblickend war das Auswahlverfahren ziemlich abwechslungsreich. Wenn ich mich noch einmal bewerben müsste, würde ich besonders die Auswertung von Tabellen und Diagrammen trainieren. Außerdem würde ich mich intensiver mit grundlegenden betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und digitalen Geschäftsprozessen beschäftigen.
Mein wichtigster Tipp für zukünftige Bewerber deshalb: Konzentriert euch nicht ausschließlich auf die technischen Themen. Beim dualen Studium Wirtschaftsinformatik kommt es gerade darauf an, wirtschaftliche und informatische Zusammenhänge zu verstehen. Wer logisch denken kann, Interesse mitbringt und gerne gemeinsam mit anderen Probleme löst, hat gute Voraussetzungen für das Auswahlverfahren.
