Erfahrungen Duales Studium Wirtschaftsingenieurwesen: Online-Test und Auswahltag
Erfahrungsbericht zum dualen Studium Wirtschaftsingenieurwesen: So können Einstellungstest, Planspiel und Vorstellungsgespräch beim Dualen Partner ablaufen.
Wie viel kostet es eigentlich, wenn eine Produktionsanlage für fünf Minuten ausfällt? Vor meinem Auswahlverfahren für das duale Studium Wirtschaftsingenieurwesen hätte ich diese Frage wahrscheinlich nicht beantworten können. An meinem Bewerbungstag bei einem Industrieunternehmen wurde daraus eine ziemlich spannende Aufgabe.
Die anderen Bewerber und ich mussten gemeinsam entscheiden, wie sich eine Produktionsanlage effizienter betreiben lässt, ohne unnötig hohe Kosten zu verursachen. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass es im Wirtschaftsingenieurwesen nicht nur auf technisches Wissen ankommt. Auch wirtschaftliches Denken und die Zusammenarbeit im Team spielen eine wichtige Rolle.
Interesse an Technik und Wirtschaft
In der Schule gehörten Mathematik und Physik zu meinen Lieblingsfächern. Gleichzeitig interessierte ich mich für wirtschaftliche Themen und wollte verstehen, wie Unternehmen ihre Entscheidungen treffen. Deshalb hatte ich zunächst überlegt, Maschinenbau oder BWL zu studieren.
Als ich das duale Studium Wirtschaftsingenieurwesen entdeckte, fand ich die Verbindung beider Bereiche besonders interessant. Ich bewarb mich bei einem Industrieunternehmen, das Komponenten für unterschiedliche Maschinen und Anlagen herstellt. Die Bewerbung lief über ein Online-Portal. Neben meinem Lebenslauf und den Schulzeugnissen musste ich ein kurzes Motivationsschreiben einreichen.
Etwa zwei Wochen später erhielt ich eine Einladung zu einem Online-Einstellungstest. Wenn ich diesen erfolgreich absolvieren würde, sollte ein persönlicher Auswahltag folgen.
Online-Test Wirtschaftsingenieurwesen: Zahlenreihen, Zahnräder und Wirtschaftswissen
Für den Online-Test hatte ich insgesamt 80 Minuten Zeit. Nach einer kurzen Einführung begann der erste Abschnitt mit mathematischen Aufgaben. Ich musste unter anderem Gleichungen lösen, Prozentrechnungen durchführen und verschiedene Größen umrechnen. Einige Fragen waren recht einfach, andere verlangten mehrere Rechenschritte.
Danach folgten Aufgaben zum logischen Denken. Besonders schwierig fand ich einige Zahlenreihen und Schlussfolgerungsaufgaben, bei denen ich zunächst die zugrunde liegende Regel erkennen musste. Im nächsten Abschnitt wurde mein technisches Verständnis geprüft. Hier ging es beispielsweise um Zahnräder, Hebel und mechanische Zusammenhänge.
Überrascht hat mich der letzte Aufgabenteil. Dabei musste ich einfache wirtschaftliche Berechnungen durchführen und Tabellen mit betrieblichen Kennzahlen auswerten. Die Aufgaben waren machbar, aber der Zeitdruck war ziemlich hoch. Am Ende hatte ich zwar ein gutes Gefühl, konnte meine Leistung aber nur schwer einschätzen.
Duales Studium Wirtschaftsingenieurwesen: Der Auswahltag
Eine Woche später erhielt ich die positive Rückmeldung: Ich hatte den Online-Test bestanden und wurde zum persönlichen Auswahltag eingeladen. Am vereinbarten Termin traf ich im Unternehmen auf drei weitere Bewerberinnen und Bewerber. Nach einer kurzen Begrüßung erklärte uns eine Mitarbeiterin aus der Personalabteilung den Ablauf.
Als erstes erhielten wir eine Führung durch die Produktionshalle. Dabei konnten wir beobachten, wie verschiedene Metallbauteile hergestellt und anschließend kontrolliert wurden. Besonders beeindruckend fand ich die automatisierten Fertigungsanlagen. Ein Mitarbeiter erklärte uns, wie wichtig es sei, dass die Maschinen zuverlässig funktionieren und Produktionsunterbrechungen möglichst vermieden werden.
Fallstudie: Eine Produktionsanlage mit Problemen
Nach dem Rundgang wurden wir in einen Besprechungsraum geführt. Dort erhielten wir eine Fallstudie, die wir gemeinsam bearbeiten sollten. In der Aufgabenstellung ging es um eine fiktive Produktionsanlage, die regelmäßig für kurze Zeit ausfiel. Dadurch entstanden Verzögerungen und zusätzliche Kosten. Wir bekamen mehrere Tabellen mit Produktionszahlen, Ausfallzeiten, Wartungskosten und möglichen Verbesserungsmaßnahmen.
Unsere Aufgabe bestand darin, die wirtschaftlich sinnvollste Lösung zu finden. Zur Auswahl standen beispielsweise eine häufigere Wartung, der Austausch bestimmter Bauteile oder die Anschaffung einer zusätzlichen Maschine. Zunächst sollten wir die Informationen einzeln durchgehen. Anschließend hatten wir 30 Minuten Zeit, um gemeinsam eine Entscheidung zu treffen.
In unserer Gruppe waren wir uns anfangs überhaupt nicht einig. Zwei Bewerber wollten die günstigste Maßnahme auswählen, während eine andere Teilnehmerin eine umfassende Modernisierung bevorzugte. Ich schlug vor, zunächst die Kosten der regelmäßigen Produktionsausfälle zu berechnen. Dabei fiel uns auf, dass bereits wenige Minuten Stillstand erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Produktion haben konnten.
Anschließend verglichen wir die verschiedenen Maßnahmen. Besonders wichtig war die Frage, wie schnell sich zusätzliche Investitionen durch geringere Ausfallzeiten wieder ausgleichen würden. Schließlich entschieden wir uns für eine Kombination aus vorbeugender Wartung und dem Austausch besonders störanfälliger Bauteile. Unsere Lösung war zwar nicht die billigste, versprach aber langfristig ein besseres Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen.
Am Ende mussten wir unsere Entscheidung kurz präsentieren und erklären, weshalb wir andere Möglichkeiten ausgeschlossen hatten. Nach unserer Präsentation stellte ein Ingenieur aus dem Unternehmen mehrere Fragen. Eine davon richtete sich direkt an mich. Er wollte wissen, ob ich unsere Entscheidung auch dann für sinnvoll halten würde, wenn die Produktionsanlage in zwei Jahren vollständig ersetzt werden sollte.
Darüber hatte ich vorher nicht nachgedacht. Ich erklärte schließlich, dass sich in diesem Fall die Investitionskosten möglicherweise nicht mehr vollständig auszahlen würden. Deshalb müsste man die Wirtschaftlichkeit unter den veränderten Bedingungen neu berechnen. Der Ingenieur nickte und fragte anschließend, welche weiteren Informationen ich für eine solche Entscheidung benötigen würde.
Ich nannte unter anderem die voraussichtlichen Kosten der neuen Anlage, die verbleibende Nutzungsdauer und die zu erwartenden Ausfallzeiten. Diese Rückfragen fand ich ziemlich anspruchsvoll. Gleichzeitig wurde mir dadurch klar, wie eng technische und wirtschaftliche Entscheidungen miteinander verbunden sind.
Duales Studium Wirtschaftsingenieurwesen: Das Vorstellungsgespräch
Am Nachmittag folgte noch ein Vorstellungsgespräch mit einer Personalreferentin und einem Abteilungsleiter. Zunächst sollte ich erklären, warum ich Wirtschaftsingenieurwesen dual studieren möchte und weshalb ich mich für dieses Unternehmen entschieden hatte.
Anschließend sprachen wir über meine Stärken, meine schulischen Interessen und meine bisherigen Erfahrungen mit technischen Aufgaben. Ich erinnere mich noch an die Frage, ob ich mich später eher in der technischen Entwicklung oder im Management sehe. Ich antwortete, dass ich mich noch nicht auf einen bestimmten Bereich festlegen möchte. Gerade deshalb finde ich das Wirtschaftsingenieurwesen spannend, weil man beide Seiten kennenlernt und später unterschiedliche berufliche Möglichkeiten hat.
Nach dem Vorstellungsgespräch war mein Auswahltag beendet. Auf der Heimfahrt dachte ich vor allem über die Fallstudie nach. Ich hatte zwar das Gefühl, dass unsere Gruppe gut zusammengearbeitet hatte, war aber unsicher, ob unsere wirtschaftlichen Berechnungen überzeugend genug gewesen waren. Fünf Tage später kam dann schließlich die erhoffte Nachricht: Das Unternehmen hat mir einen Studienplatz angeboten.
