Erfahrungen Duales Studium Zoll: Das schriftliche und mündliche Auswahlverfahren
Erfahrungsbericht zum dualen Studium Zoll: Ein Bewerber erzählt, wie er das Auswahlverfahren beim Zoll erlebt hat.
Nach dem Abitur wollte ich unbedingt etwas im öffentlichen Dienst machen. Auf den Zoll wurde ich durch eine Berufsmesse aufmerksam. Dort erzählten zwei Zollbeamte von ihrer Arbeit und erklärten, dass es neben der Kontrolle von Waren auch viele Aufgaben im Bereich Steuern und Schwarzarbeit gibt. Das duale Studium im gehobenen Zolldienst klang für mich deshalb nach einer guten Mischung aus Recht, Wirtschaft und praktischer Arbeit.
Ich bewarb mich online bei einem Hauptzollamt und reichte meinen Lebenslauf, die Schulzeugnisse und ein Anschreiben ein. Einige Wochen später erhielt ich die Einladung zum schriftlichen Auswahlverfahren.
Duales Studium Zoll: Vier Stunden, die schneller vergingen als gedacht
Am Prüfungstag war ich schon deutlich vor dem angegebenen Termin am Hauptzollamt. Im Wartebereich saßen aber schon andere Bewerberinnen und Bewerber, von denen einige noch einmal ihre Unterlagen durchgingen. Nach der Begrüßung wurden uns der Ablauf und die wichtigsten Regeln erklärt. Für den schriftlichen Einstellungstest waren insgesamt ungefähr vier Stunden vorgesehen.
Los ging es mit Aufgaben zum Sprachverständnis. Dabei musste ich unter anderem Rechtschreibung und Grammatik von Texten überprüfen sowie weitere kurze Texte lesen und Fragen dazu beantworten. Anschließend folgten mathematische Aufgaben. Prozentrechnung und Dreisatz fand ich noch ziemlich einfach, bei einigen Aufgaben zur Zinsrechnung musste ich dagegen länger überlegen.
Schwieriger waren für mich die logischen Aufgaben. Hier musste ich Zusammenhänge erkennen und aus verschiedenen Angaben die richtigen Schlussfolgerungen ziehen. Besonders anstrengend fand ich, dass man über einen längeren Zeitraum konzentriert bleiben musste.
Duales Studium Zoll: Gesetze anwenden statt auswendig lernen
Der nächste Prüfungsabschnitt überraschte mich. Wir bekamen mehrere kurze Rechtsvorschriften und sollten diese auf unterschiedliche Situationen anwenden. Zunächst war ich ziemlich unsicher, weil ich vorher noch nie richtig mit Gesetzestexten gearbeitet hatte.
Zum Glück ging es nicht darum, irgendwelche Paragrafen auswendig zu kennen. Die notwendigen Informationen standen in der Aufgabe. Man musste allerdings sehr genau lesen und prüfen, welche Voraussetzungen erfüllt waren. Bei einer Aufgabe war ich zunächst überzeugt, die richtige Antwort gefunden zu haben. Dann bemerkte ich, dass ich eine wichtige Einschränkung im Gesetzestext übersehen hatte. Danach arbeitete ich langsamer und kontrollierte meine Antworten sorgfältiger.
Duales Studium Zoll: Die Arbeitsprobe
Zum Abschluss des schriftlichen Tests sollten wir eine Arbeitsprobe bearbeiten. Dabei ging es darum, zu einer vorgegebenen Fragestellung einen verständlichen und logisch aufgebauten Text zu verfassen. Ich musste zunächst überlegen, welche Argumente wichtig waren und wie ich meine Gedanken am besten strukturieren konnte.
Besonders schwierig fand ich die begrenzte Zeit. Einerseits wollte ich möglichst ausführlich argumentieren, andererseits musste ich darauf achten, mich nicht in Nebensächlichkeiten zu verlieren. Ich entschied mich deshalb für eine kurze Gliederung und begann erst danach mit dem Schreiben. Als der Test beendet war, war ich ziemlich erschöpft. Ob meine Leistung ausreichen würde, konnte ich überhaupt nicht einschätzen.
Eine zweite Einladung: Das mündliche Auswahlverfahren
Einige Zeit später kam die positive Nachricht: Ich hatte den schriftlichen Einstellungstest bestanden und durfte am mündlichen Auswahlverfahren teilnehmen. Die Freude war natürlich groß. Zur Vorbereitung beschäftigte ich mich noch einmal ausführlich mit den Aufgaben des Zolls. Außerdem übte ich, frei über verschiedene Themen zu sprechen und meine Meinung verständlich zu begründen. Am Tag des mündlichen Auswahlverfahrens war ich trotzdem wieder ziemlich nervös.
Duales Studium Zoll: Die Gruppendiskussion
Zu Beginn stand eine Gruppendiskussion auf dem Programm. Gemeinsam mit anderen Bewerbern sollte ich eine vorgegebene Fragestellung besprechen. Wir bekamen etwas Zeit, um uns vorzubereiten. Danach begann die Diskussion. Anfangs hielt ich mich eher zurück und hörte den anderen zu. Als mehrere Bewerber ähnliche Argumente vorbrachten, versuchte ich, einen neuen Gesichtspunkt einzubringen.
Dabei achtete ich darauf, niemanden zu unterbrechen und meine Aussagen zu begründen. Zwischendurch wurde die Diskussion ziemlich lebhaft. Trotzdem gelang es unserer Gruppe, die wichtigsten Argumente zusammenzufassen. Ich hatte den Eindruck, dass es nicht nur darauf ankam, die eigene Meinung durchzusetzen, sondern auch auf die anderen einzugehen.
Duales Studium Zoll: Das Rollenspiel
Anschließend folgte das Rollenspiel. Ich sollte ein Gespräch mit einem fiktiven Kollegen führen, der wiederholt gegen interne Absprachen verstoßen hatte. Die Rolle des Kollegen übernahm ein Mitglied der Auswahlkommission. Zuerst erklärte ich ruhig, weshalb ich das Gespräch führen wollte. Mein Gegenüber reagierte allerdings ziemlich gereizt und warf mir vor, die Situation völlig falsch einzuschätzen.
Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich versuchte zunächst, die Vorwürfe richtigzustellen. Dabei merkte ich aber, dass das Gespräch immer angespannter wurde. Also änderte ich meine Vorgehensweise und fragte nach den Gründen für sein Verhalten. Gleichzeitig machte ich deutlich, dass bestimmte Regeln eingehalten werden müssen. Im Gespräch mit der Kommission sollte ich dann mein eigenes Verhalten bewerten: Ich fand, dass ich anfangs etwas zu schnell in die Rechtfertigung gegangen war.
Ein Kurzvortrag ohne lange Vorbereitung
Auch der Kurzvortrag gehörte zu meinem mündlichen Auswahlverfahren. Dafür erhielt ich eine Fragestellung, zu der ich meine Gedanken strukturieren und anschließend frei sprechen sollte. Die Vorbereitung war relativ knapp bemessen. Deshalb notierte ich mir nur die wichtigsten Stichpunkte und überlegte, wie ich den Vortrag sinnvoll aufbauen konnte.
Während des Vortrags versuchte ich, langsam und deutlich zu sprechen. Trotzdem merkte ich, wie schnell ich wurde, sobald ich nervös war. Am Ende war ich froh, die wichtigsten Punkte verständlich dargestellt zu haben.
Duales Studium Zoll: Das Vorstellungsgespräch
Zum Abschluss fand das persönliche Interview statt. Hier ging es vor allem um meine Motivation für das duale Studium Zoll und meine Vorstellungen vom späteren Berufsalltag. Ich wurde gefragt, welche Aufgaben der Zoll übernimmt und warum ich mich gerade für den gehobenen Dienst entschieden hatte.
Außerdem wollten die Mitglieder der Auswahlkommission wissen, wie ich mit Stress umgehe und was ich unter verantwortungsbewusstem Handeln verstehe. Eine Frage ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Was würde ich tun, wenn ich bemerke, dass ein Kollege eine Vorschrift bewusst missachtet?
Ich erklärte, dass ich die Situation nicht einfach ignorieren würde. Zunächst müsste ich den Sachverhalt richtig einschätzen und anschließend angemessen reagieren. Nach dem Gespräch war das mündliche Auswahlverfahren endlich geschafft.
