Mit Ausbildung zum TMSnat – Erfahrungen zum HAM-Nat 2026
Notfallsanitäter Tobias hat im September 2026 den letzten HAM-Nat geschrieben. Er erzählt vom Naturwissenschaftsteil und warum er nun den TMSnat schreibt.
Moin, ich bin Tobias, 23 Jahre alt, und arbeite seit zwei Jahren als Notfallsanitäter. Mein Abi liegt fünf Jahre zurück und war mit 2,8 alles andere als medizintauglich. Im Rettungsdienst habe ich aber gemerkt, dass ich mehr will. Ich will verstehen, warum ein Patient so reagiert, wie er reagiert, und nicht nur nach Algorithmus handeln. Deshalb habe ich im September 2026 den letzten HAM-Nat in Hamburg geschrieben. Im Mai 2027 schreibe ich den TMSnat.
Warum der HAM-Nat?
Ich wohne in der Nähe von Hamburg, und die Uni Hamburg hat den HAM-Nat gewertet. Dort zählt außerdem meine Ausbildung. Als klar war, dass der HAM-Nat im September 2026 zum letzten Mal stattfindet, habe ich mich sofort angemeldet. Ich wollte die Chance auf keinen Fall verpassen, auch wenn mir klar war, dass ich danach noch den TMSnat brauche.
Vorbereitung neben Schichtdienst
Die Vorbereitung war die größte Herausforderung. Mit Zwölf-Stunden-Schichten, Nachtdiensten und Wochenenden ist es nicht leicht, regelmäßig zu lernen. Ich habe mir angewöhnt, an freien Tagen morgens zwei bis drei Stunden am Stück zu lernen und nach Frühdiensten noch eine Stunde dranzuhängen. Nach Nachtdiensten habe ich gar nichts gemacht, das bringt nichts.
Inhaltlich war Bio für mich am einfachsten, vieles kannte ich aus der Ausbildung. Anatomie, Herz-Kreislauf, Atmung, das ist mein Alltag. Chemie war dagegen eine Katastrophe. Redoxreaktionen, pH-Werte, organische Chemie, das war alles weg. Ich habe mir die Grundlagen mit Erklärvideos und einem alten Schulbuch neu erarbeitet. Physik lag irgendwo dazwischen. Mechanik ging, Elektrizitätslehre musste ich komplett neu lernen.
Der Testtag
Der Test war in Hamburg, die Atmosphäre ziemlich angespannt. Viele sahen deutlich jünger aus als ich, aber ich habe auch einige Leute getroffen, die ebenfalls aus dem Rettungsdienst oder der Pflege kamen. Das hat gutgetan.
Die Naturwissenschaftsaufgaben waren fair, aber breit gestreut. Es gab einfache Wissensfragen, aber auch Aufgaben, bei denen man mehrere Schritte kombinieren musste. Bei Chemie habe ich gemerkt, dass sich die Wiederholung gelohnt hat. Es kamen Aufgaben zu Säuren und Basen, die ich vor drei Monaten noch nicht hätte lösen können. In Physik gab es ein paar Rechenaufgaben, bei denen ich ohne Taschenrechner ganz schön ins Schwitzen kam.
Am meisten hat mich überrascht, wie sehr mir der Zeitdruck zu schaffen gemacht hat. Im Einsatz bin ich es gewohnt, unter Stress klar zu denken. Aber 60 Minuten am Stück Chemie- und Physikfragen sind ein ganz anderer Stress. Ich habe gemerkt, dass ich bei schwierigen Aufgaben zu lange hängen geblieben bin. Beim nächsten Mal setze ich mir ein festes Zeitlimit pro Aufgabe.
Warum ich trotzdem den TMSnat schreibe
Mein HAM-Nat-Ergebnis war ordentlich, aber nicht überragend. Das Problem: Ab dem Wintersemester 2027/28 plant Hamburg, nur noch 20 Prozent der Plätze im Auswahlverfahren über den HAM-Nat zu vergeben, den Rest über den TMSnat. Danach soll dort nur noch der TMSnat zählen. Wenn ich mir alle Optionen offenhalten will, komme ich am TMSnat also nicht vorbei.
Der Vorteil ist, dass ich die naturwissenschaftliche Vorbereitung schon hinter mir habe. 40 der Aufgaben im TMSnat sind genau aus diesem Bereich. Die anderen Aufgabengruppen sind für mich dagegen neu: Textverständnis, Fakten lernen, Diagramme und Tabellen. Die übe ich jetzt gezielt. Gerade Diagramme kenne ich aus dem Job ganz gut, zum Beispiel von EKG-Streifen und Vitalwert-Verläufen. Aber Boxplots und Überlebenskurven sind eine andere Liga.
Mein Plan für die nächsten Monate: Bis Weihnachten frische ich die Naturwissenschaften regelmäßig auf, damit nichts verloren geht. Ab Januar liegt der Fokus auf den neuen Aufgabengruppen und auf Komplettsimulationen. Ich habe mit meiner Wache abgesprochen, dass ich im April etwas weniger Schichten übernehme.
Mein Rat an andere Quereinsteiger
Lass dich nicht vom Alter oder von einer schwachen Abinote abschrecken. Gerade als Quereinsteiger mit Ausbildung hast du an vielen Unis echte Chancen, weil die Berufserfahrung Punkte bringt. Informier dich genau, welche Unis deine Ausbildung anerkennen und wie stark sie den Test gewichten. Und plan die Vorbereitung realistisch: Im Schichtdienst geht nicht jeden Tag etwas, und das ist okay. Hauptsache, du bleibst dran.
