EMS Erfahrungen
So läuft der Medizinertest wirklich ab
Als ich mich für Humanmedizin beworben habe, war mir ziemlich schnell klar: Am EMS führt für mich kein Weg vorbei. Respekt hatte ich zunächst vor allem vor dem Zeitdruck. Die einzelnen Aufgaben wirkten beim ersten Üben zwar lösbar, aber sobald ich die vorgegebenen Zeiten eingestellt habe, sah die Sache ganz anders aus.
Rückblickend war genau das für mich die größte Herausforderung: nicht einzelne besonders schwierige Fragen, sondern über fast vier Stunden konzentriert zu bleiben und trotzdem schnell genug zu arbeiten.
Meine Vorbereitung auf den EMS
Ich habe ungefähr drei Monate vor dem Test angefangen, regelmäßig zu üben. Zuerst wollte ich vor allem verstehen, welche Aufgaben überhaupt vorkommen. Deshalb habe ich mir jeden Untertest einzeln angesehen und zunächst ohne starken Zeitdruck gearbeitet.
Nach einigen Wochen habe ich die Bearbeitungszeiten immer konsequenter eingehalten. Das war teilweise ernüchternd. Bei „Quantitative und formale Probleme“ konnte ich zu Hause viele Aufgaben lösen – aber eben nicht immer schnell genug. Beim EMS bringt es wenig, wenn man nach zehn Minuten auf die perfekte Lösung kommt, wenn für eine Aufgabe eigentlich nur ein Bruchteil dieser Zeit bleibt.
Besonders geholfen haben mir komplette Simulationen. Dabei habe ich gemerkt, wie anstrengend es ist, mehrere Untertests direkt hintereinander zu bearbeiten.
Der Morgen des EMS
Am Testmorgen war ich deutlich früher am Testort als nötig. Das würde ich jederzeit wieder so machen. Schon die Vorstellung, wegen einer verspäteten Bahn nicht teilnehmen zu können, hätte mich sonst zusätzlich nervös gemacht.
Vor dem Einlass wurden die Unterlagen und erlaubten Gegenstände kontrolliert. Elektronische Geräte dürfen während des Tests nicht benutzt werden. Deshalb hatte ich wirklich nur das Nötigste dabei: Einladung, Ausweis, Bleistifte, Radiergummi, Spitzer sowie etwas zu essen und zu trinken.
Im Testraum wurde es dann plötzlich ernst. Es waren viele andere Bewerberinnen und Bewerber da, und praktisch alle wirkten ziemlich angespannt.
Die ersten Untertests
Los ging es mit „Muster zuordnen“. Eigentlich hatte ich diesen Bereich vorher häufig trainiert, trotzdem musste ich mich erst an die echte Testsituation gewöhnen. Ich habe versucht, mich nicht davon irritieren zu lassen, wenn andere schon Seiten umblätterten.
Danach folgte das medizinisch-naturwissenschaftliche Grundverständnis. Hier fand ich es besonders wichtig, sehr genau zu lesen. Es geht nicht darum, auswendig gelerntes Medizinwissen abzurufen, sondern Informationen zu verstehen und daraus die richtige Schlussfolgerung zu ziehen.
Bei „Objekte im Raum“ musste ich mich stark konzentrieren. Man sieht einen Würfel mit verschiedenen Objekten und soll nachvollziehen, durch welche Dreh- und Kippbewegungen eine zweite Darstellung entstanden ist. Die zehn Minuten für 18 Aufgaben gingen extrem schnell vorbei.
Anschließend kamen die quantitativen und formalen Probleme. Das war für mich persönlich einer der anspruchsvollsten Teile. Nicht jede Aufgabe ist mathematisch außergewöhnlich schwierig – problematisch ist eher, schnell den richtigen Lösungsweg zu erkennen.
Figuren und Fakten lernen
Danach folgte für mich einer der ungewöhnlichsten Teile des EMS. Zunächst musste ich mir innerhalb weniger Minuten Figuren und Fakten einprägen. Das fühlt sich etwas merkwürdig an, weil man weiß, dass die Informationen später abgefragt werden, dazwischen aber noch andere Aufgaben bearbeiten muss.
Nach der Lernphase wurden die Unterlagen eingesammelt und mit dem nächsten Testheft ging es weiter. Jetzt kam Textverständnis. Die Texte selbst fand ich nicht unbedingt abschreckend, aber ich musste aufpassen, nicht zu viel Zeit mit einzelnen Fragen zu verbringen.
Erst anschließend wurden die zuvor gelernten Figuren und Fakten wieder abgefragt. In diesem Moment war ich überrascht, wie viel noch hängen geblieben war – und gleichzeitig, wie unsicher man sich bei einzelnen Details fühlen kann.
Diagramme, Tabellen und Konzentration
Gegen Ende kamen Diagramme und Tabellen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich die lange Testdauer deutlich gemerkt. Gerade deshalb war es wichtig, die Aufgaben weiterhin sauber zu lesen und nicht hektisch zu werden.
Zum Schluss folgte „Konzentriertes und sorgfältiges Arbeiten“. Hier zählt nicht nur Geschwindigkeit, sondern vor allem, trotz des enormen Tempos korrekt zu markieren.
Nach dem letzten Testteil war ich vor allem erleichtert. Ich konnte überhaupt nicht einschätzen, ob mein Ergebnis gut genug sein würde. Einige Aufgaben hatten sich sehr gut angefühlt, bei anderen musste ich raten oder weitergehen, obwohl ich gern länger nachgedacht hätte.
Was ich heute anders machen würde
Ich würde noch früher komplette Tests unter realistischen Zeitbedingungen bearbeiten. Einzelne Aufgabentypen zu trainieren ist sinnvoll, aber der EMS besteht eben nicht aus neun voneinander unabhängigen kleinen Tests. Die eigentliche Herausforderung ist die Kombination aus Geschwindigkeit, Konzentration und Ausdauer.
Außerdem würde ich mich weniger damit beschäftigen, wie viele Punkte andere angeblich erreichen. Entscheidend ist am Testtag ohnehin nur, die eigene Leistung möglichst zuverlässig abzurufen.
Mein wichtigster Tipp lautet deshalb: Lernt die Aufgabenformate wirklich gut kennen, trainiert früh mit Zeitbegrenzung und simuliert den gesamten Ablauf mehrfach. Dadurch wird der EMS zwar nicht leicht – aber deutlich vorhersehbarer.
