MedAT Erfahrungen
So läuft der Medizinertest wirklich ab
Als ich beschlossen hatte, mich für Humanmedizin in Österreich zu bewerben, war schnell klar: Mein eigentliches Auswahlverfahren heißt MedAT. Meine Abiturnote konnte ich nicht mehr verändern – auf diesen einen Test konnte ich mich dagegen gezielt vorbereiten.
Am Anfang habe ich den MedAT trotzdem unterschätzt. Biologie, Chemie, Physik und Mathematik kannte ich aus der Schule, und Aufgaben wie Zahlenfolgen oder Wortflüssigkeit wirkten zunächst nicht besonders abschreckend. Erst beim ersten Training mit Zeitbegrenzung habe ich gemerkt, wie anspruchsvoll die Kombination aus Wissen, Geschwindigkeit und Konzentration tatsächlich ist.
Meine Vorbereitung auf den MedAT
Ich habe mehrere Monate vor dem Test angefangen. Zunächst stand für mich der „Basiskenntnistest Medizinische Studien“, kurz BMS, im Mittelpunkt. Gerade in Chemie und Physik hatte ich einiges vergessen und musste viele Grundlagen neu aufarbeiten.
Parallel habe ich die kognitiven Aufgaben trainiert. Die Zahlenfolgen lagen mir ziemlich gut. Bei „Wortflüssigkeit“ und „Figuren zusammensetzen“ war ich anfangs wesentlich langsamer. Besonders gewöhnungsbedürftig fand ich den Abschnitt „Gedächtnis und Merkfähigkeit“, weil man sich in kurzer Zeit viele Informationen einprägen muss und später wieder darauf zurückgreift.
Mit der Zeit habe ich aufgehört, nur einzelne Übungen zu bearbeiten. Stattdessen habe ich längere Testblöcke und schließlich komplette Simulationen unter Zeitdruck geübt. Das war wahrscheinlich der wichtigste Teil meiner Vorbereitung.
Der Morgen des MedAT
Am Testtag war ich sehr früh unterwegs. Der MedAT ist kein Test, bei dem man fünf Minuten vor Beginn entspannt in den Raum schlendert. Schon wegen der vielen Teilnehmer braucht die Organisation Zeit.
Ich hatte meine Einladung beziehungsweise die geforderten Unterlagen, meinen Ausweis und alles dabei, was laut den offiziellen Informationen erlaubt war. Mein Handy blieb während des eigentlichen Tests natürlich ausgeschaltet und verstaut.
Als ich die vielen anderen Bewerber gesehen habe, wurde ich nervöser. Gleichzeitig habe ich versucht, mir klarzumachen, dass die anderen gerade wahrscheinlich genau dasselbe fühlen.
Der Basiskenntnistest Medizinische Studien
Beim BMS werden Grundlagen aus Biologie, Chemie, Physik und Mathematik geprüft. Ich hatte in diesen Bereich viel Vorbereitungszeit investiert und war froh darüber.
Biologie lief für mich am besten. Bei Chemie gab es dagegen einige Fragen, bei denen ich zwischen zwei Antworten schwankte. Mein größter Fehler wäre gewesen, an diesen Aufgaben zu lange hängen zu bleiben.
Beim MedAT lohnt es sich kaum, fünf Minuten über eine einzelne Aufgabe nachzugrübeln. Ich habe deshalb versucht, schwierige Fragen zunächst zurückzustellen und meinen Rhythmus beizubehalten.
Textverständnis und kognitive Fähigkeiten
Beim Textverständnis hatte ich ursprünglich gedacht, dass man dafür kaum trainieren könne. Das sehe ich inzwischen anders. Gerade unter Zeitdruck macht es einen großen Unterschied, ob man gelernt hat, Informationen schnell zu strukturieren und wichtige Aussagen im Text wiederzufinden.
Noch intensiver fand ich den Bereich „Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten“. Dazu gehören beim MedAT-H „Figuren zusammensetzen“, „Gedächtnis und Merkfähigkeit“, „Zahlenfolgen“, „Wortflüssigkeit“ und „Implikationen erkennen“.
Die Aufgaben sind sehr unterschiedlich. Bei den Zahlenfolgen suchst du nach mathematischen oder logischen Regeln, bei „Figuren zusammensetzen“ brauchst du räumliches Vorstellungsvermögen. „Wortflüssigkeit“ verlangt wiederum einen schnellen Zugriff auf sprachliches Wissen.
Am meisten Konzentration hat mich persönlich „Implikationen erkennen“ gekostet. Man muss aus vorgegebenen Aussagen logisch zwingende Schlüsse ziehen und darf sich nicht von dem leiten lassen, was im Alltag vielleicht plausibel klingt.
Gedächtnis und Merkfähigkeit
Besonders im Kopf geblieben ist mir der Gedächtnisteil. Während meiner Vorbereitung hatte ich dafür eigene Merktechniken entwickelt. Am Testtag war ich trotzdem unsicher, ob die Informationen wirklich hängen bleiben würden.
Später beim Abrufen merkte ich, dass meine Strategie erstaunlich gut funktionierte. Einige Details wusste ich sofort, bei anderen war ich mir überhaupt nicht mehr sicher.
Genau das ist typisch für den MedAT: Man hat während des Tests kaum Zeit, lange darüber nachzudenken, ob sich eine Antwort richtig „anfühlt“. Irgendwann muss man sich entscheiden und weitermachen.
Sozial-emotionale Kompetenzen
Vor dem MedAT hatte ich diesen Bereich weniger ernst genommen als BMS und KFF. Das war im Nachhinein ein Fehler.
Bei den sozial-emotionalen Kompetenzen geht es unter anderem darum, Emotionen zu erkennen, mit Emotionen umzugehen und Entscheidungen in sozialen Situationen zu beurteilen. Man sollte hier nicht einfach danach antworten, was man persönlich spontan tun würde. Gefragt ist vielmehr, die jeweilige Situation genau zu analysieren.
Da dieser Bereich ebenfalls in das Gesamtergebnis eingeht, lohnt sich eine gezielte Vorbereitung.
Wie fühlte sich der Test insgesamt an?
Der MedAT war für mich vor allem lang. Während der ersten Aufgaben war ich noch sehr wach und aufmerksam, später musste ich mich wesentlich stärker zwingen, konzentriert zu bleiben.
Dazu kommt der psychische Druck. Man weiß schließlich, dass ein einziger Test darüber entscheiden kann, ob man einen Studienplatz bekommt.
Nach dem Ende konnte ich mein Ergebnis überhaupt nicht einschätzen. Bei manchen Aufgaben war ich ziemlich sicher, bei anderen hatte ich geraten. Weil es keine Minuspunkte für falsche Multiple-Choice-Antworten gibt, hatte ich trotzdem versucht, möglichst jede Aufgabe zu beantworten.
Was würde ich heute anders machen?
Ich würde früher mit realistischen Simulationen anfangen. Wissen zu lernen und einzelne Aufgaben zu üben reicht nicht. Du musst auch lernen, über viele Stunden hinweg konzentriert zu bleiben und deine Zeit sinnvoll einzuteilen.
Außerdem würde ich die Vorbereitung von Anfang an nach der Gewichtung des Tests ausrichten. Beim MedAT-H zählen BMS und KFF jeweils 40 Prozent des Gesamtwerts. Das Textverständnis und sozial-emotionale Kompetenzen machen jeweils zehn Prozent aus.
Mein wichtigster Tipp wäre deshalb: Unterschätze keinen Bereich, setze aber klare Schwerpunkte. Arbeite deine Wissenslücken auf, trainiere die Aufgabentypen regelmäßig und übe früh unter Zeitdruck. Am Testtag selbst kannst du dann nicht mehr beeinflussen, wie gut die anderen vorbereitet sind – aber du kannst dafür sorgen, deine eigene Leistung möglichst zuverlässig abzurufen.
