Quereinstieg in den öffentlichen Dienst
Öffentlicher Dienst-ABC
Ein Quereinstieg in den öffentlichen Dienst kann dir neue berufliche Möglichkeiten eröffnen, auch wenn du bisher ausschließlich in der Privatwirtschaft gearbeitet hast. Verwaltungserfahrung ist nicht bei jeder Stelle zwingend erforderlich. Besonders interessant sind Bewerber, die bereits eine Ausbildung, ein Studium oder mehrjährige Berufserfahrung mitbringen und ihre Kenntnisse in einem neuen Umfeld einsetzen möchten. In der Bundesverwaltung werden Quereinsteiger ausdrücklich für unterschiedliche Tätigkeitsfelder gesucht.
Ein Quereinstieg bedeutet allerdings nicht automatisch, dass du ohne passende Qualifikation jeden Verwaltungsberuf übernehmen kannst. Entscheidend ist immer die konkrete Stellenausschreibung. Je nach Tätigkeit werden bestimmte Berufs- oder Studienabschlüsse, Fachkenntnisse oder Berufserfahrungen verlangt.
Inhalte:
- Welche Möglichkeiten gibt es für Quereinsteiger?
- Direkteinstieg oder berufliche Neuqualifizierung?
- Quereinstieg als Tarifbeschäftigter
- Kannst du als Quereinsteiger auch Beamter werden?
- Nicht jeder Berufswechsel ist automatisch möglich
- Bewerbung als Quereinsteiger
- Auswahlverfahren
- Tipps für Bewerber
- Fazit
Welche Möglichkeiten gibt es für Quereinsteiger?
Besonders gute Möglichkeiten findest du dort, wo öffentliche Arbeitgeber Fachkenntnisse benötigen, die auch außerhalb der Verwaltung erworben werden können. Dazu gehören beispielsweise IT, Technik, Ingenieurwesen, Personal, Finanzen, Recht, Gesundheit, Kommunikation oder Umwelt. Aber auch für klassische Verwaltungsaufgaben gibt es bei einzelnen öffentlichen Arbeitgebern spezielle Quereinstiegsprogramme.
Du musst dabei nicht zwingend bereits wissen, wie eine Behörde intern funktioniert. Fachwissen aus deinem bisherigen Beruf kann ebenso wertvoll sein. Verwaltungsrechtliche Kenntnisse oder spezielle Abläufe kannst du je nach Stelle während der Einarbeitung oder durch Fortbildungen erwerben. Das Land Berlin bietet beispielsweise in bestimmten Bereichen berufsbegleitende Weiterbildungen und Qualifizierungen für Quereinsteiger an.
Direkteinstieg oder berufliche Neuqualifizierung?
Grundsätzlich kannst du auf zwei Arten wechseln. Passt deine bisherige Qualifikation bereits zu einer ausgeschriebenen Tätigkeit, kannst du dich direkt auf entsprechende Stellen bewerben. Ein IT-Spezialist aus einem Unternehmen kann beispielsweise auch für eine IT-Stelle bei einer Behörde infrage kommen. Ähnliches gilt für Ingenieure, Juristen, Personalfachkräfte oder andere Spezialisten.
Möchtest du dagegen in einen Bereich wechseln, für den dir die erforderliche Qualifikation noch fehlt, kann eine Umschulung, eine neue Ausbildung oder eine Weiterbildung notwendig sein. Der Quereinstieg bedeutet also nicht immer, dass du deine bisherige Berufsqualifikation ohne weiteres nutzen kannst. Manchmal ist eine zusätzliche Qualifizierung der sinnvollste Weg in den öffentlichen Dienst.
Quereinstieg als Tarifbeschäftigter
Für viele Quereinsteiger ist eine Stelle als Tarifbeschäftigter der unkomplizierteste Weg. Für Tarifbeschäftigte gelten keine beamtenrechtlichen Laufbahnvoraussetzungen. Entscheidend ist deshalb vor allem, ob du die Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle erfüllst. Manche Behörden verlangen eine ganz bestimmte Ausbildung oder einen bestimmten Studienabschluss. Andere akzeptieren mehrere verwandte Fachrichtungen oder gleichwertige berufliche Qualifikationen. Gerade deshalb solltest du das Anforderungsprofil einer Stelle sorgfältig lesen.
Kannst du als Quereinsteiger auch Beamter werden?
Auch der Einstieg in eine Beamtenlaufbahn kann für berufserfahrene Bewerber möglich sein. Dabei gelten jedoch zusätzliche Voraussetzungen. Neben den allgemeinen Bedingungen für eine Verbeamtung musst du die erforderliche Laufbahnbefähigung besitzen oder deine bisherigen Qualifikationen müssen entsprechend anerkannt werden können.
In der Bundesverwaltung kann die Laufbahnbefähigung unter bestimmten Voraussetzungen auch aufgrund eines vorhandenen Bildungsabschlusses und einschlägiger Berufserfahrung anerkannt werden. Daneben gibt es besondere Möglichkeiten für sogenannte andere Bewerberinnen und Bewerber. Der Quereinstieg ins Beamtenverhältnis ist damit möglich, aber deutlich stärker geregelt als der Wechsel in eine tarifliche Beschäftigung.
Nicht jeder Berufswechsel ist automatisch möglich
Der Begriff Quereinstieg kann leicht den Eindruck erwecken, dass dein bisheriger Beruf kaum eine Rolle spielt. In der Praxis müssen deine Qualifikationen jedoch zu den Anforderungen der Stelle passen. Besonders bei gesetzlich geregelten Berufen, spezialisierten Fachaufgaben oder Beamtenlaufbahnen können konkrete Abschlüsse vorgeschrieben sein.
Das bedeutet aber nicht, dass du bereits jahrelang in einer Behörde gearbeitet haben musst. Gerade Berufserfahrung aus der Privatwirtschaft kann ausdrücklich erwünscht sein. Das Land Berlin wirbt beispielsweise gezielt um Berufserfahrene aus anderen Branchen, weist aber zugleich darauf hin, dass je nach Tätigkeit eine passende Ausbildung oder ein geeignetes Studium erforderlich ist.
Bewerbung als Quereinsteiger
Bei deiner Bewerbung solltest du besonders deutlich machen, welchen Nutzen deine bisherige Erfahrung für die neue Tätigkeit hat. Überlege dir, welche Kenntnisse du übertragen kannst. Vielleicht hast du bereits Projekte organisiert, Kunden beraten, Budgets verwaltet, Personal geführt, komplexe IT-Systeme betreut oder mit gesetzlichen Vorgaben gearbeitet.
Wichtig ist außerdem, dass du deine Motivation für den Wechsel nachvollziehbar erklären kannst Eine Aussage wie „Ich suche einen sicheren Arbeitsplatz“ reicht hier nicht aus. Interessanter ist, warum dich die Aufgaben der Behörde ansprechen und weshalb du deine bisherigen Fähigkeiten dort einsetzen möchtest.
Auswahlverfahren
Auch als Quereinsteiger durchläufst du das für die Stelle vorgesehene Bewerbungs- und Auswahlverfahren. Abhängig von Behörde und Tätigkeit können Vorstellungsgespräche, Einstellungstests und Assessment-Center zur Bewerberauswahl eingesetzt werden. Dabei zählt nicht nur deine bisherige Berufserfahrung. Im Vorstellungsgespräch sollte zum Beispiel auch deutlich werden, dass du dich bereits mit dem neuen Arbeitgeber beschäftigt hast.
Auf solche Auswahlverfahren kannst du dich gezielt vorbereiten. Die Gewerkschaft ver.di empfiehlt dafür die Vorbereitungsmaterialien des Ausbildungspark Verlags. Der Ausbildungspark Verlag ist ein renommierter Fachverlag für die Vorbereitung auf Bewerbungen und Auswahlverfahren im öffentlichen Dienst. Mit Büchern und Online-Trainings kannst du typische Einstellungstests und weitere Auswahlstufen trainieren.
Tipps für Bewerber
Suche nicht ausschließlich nach Stellen, die ausdrücklich mit „Quereinstieg“ gekennzeichnet sind. Viele reguläre Stellenausschreibungen stehen ebenfalls Bewerbern aus der Privatwirtschaft offen, sofern sie die verlangten Qualifikationen erfüllen. Prüfe deshalb vor allem die formalen Voraussetzungen und das Anforderungsprofil.
Mache dir außerdem bewusst, dass deine bisherige Berufserfahrung ein Vorteil sein kann. Du bringst möglicherweise andere Arbeitsweisen, Fachkenntnisse und Perspektiven mit als Bewerber, die ihre bisherige Karriere bereits in der Verwaltung verbracht haben. Entscheidend ist, diese Erfahrungen überzeugend mit den Anforderungen deiner Wunschstelle zu verbinden.
Fazit
Ein Quereinstieg in den öffentlichen Dienst ist in vielen Bereichen möglich. Besonders gute Chancen hast du, wenn deine Ausbildung, dein Studium oder deine Berufserfahrung zur ausgeschriebenen Tätigkeit passen. Du kannst direkt als Tarifbeschäftigter einsteigen, dich über eine zusätzliche Qualifizierung neu orientieren oder unter bestimmten Voraussetzungen sogar eine Beamtenlaufbahn einschlagen.
