Verwaltungsfachwirt / Verwaltungsfachwirtin
Öffentlicher Dienst-ABC
Als Verwaltungsfachwirtin oder Verwaltungsfachwirt verfügst du über vertiefte Kenntnisse in Verwaltung, Recht, Finanzen und Personal. Der Abschluss richtet sich vor allem an Beschäftigte, die bereits eine Verwaltungsausbildung und Berufserfahrung mitbringen und sich für anspruchsvollere Aufgaben weiterqualifizieren möchten. Für Schulabgänger ist wichtig: Der Verwaltungsfachwirt ist in der Regel keine Erstausbildung direkt nach der Schule, sondern eine berufliche Fortbildung. Je nach Bundesland und zuständiger Stelle können Zugang, Lehrgang und Prüfungsordnung unterschiedlich geregelt sein.
Inhalte:
- Für wen ist die Weiterbildung gedacht?
- Wie läuft die Fortbildung ab?
- Welche Inhalte und Prüfungen erwarten dich?
- Verwaltungsfachwirt oder Verwaltungsfachangestellter: Was ist der Unterschied?
- Ist der Verwaltungsfachwirt ein Bachelor?
- Karriere und Gehalt nach der Fortbildung
- Tipps für Berufseinsteiger
- Fazit
Für wen ist die Weiterbildung gedacht?
Ein typischer Ausgangspunkt ist die Ausbildung zur oder zum Verwaltungsfachangestellten. Je nach Land können auch andere verwaltungsnahe Berufsabschlüsse oder vergleichbare Qualifikationen zugelassen werden. Zusätzlich wird häufig Berufspraxis im öffentlichen Dienst verlangt. In Berlin können zum Beispiel zum Verwaltungslehrgang II Verwaltungsfachangestellte und bestimmte andere Beschäftigtengruppen zugelassen werden, wenn sie die geforderte Beschäftigungszeit erfüllen. Bei einem besonders guten Ausbildungsabschluss kann die notwendige Berufspraxis kürzer sein. In Hessen nennt das Bundesportal ebenfalls einschlägige Verwaltungsabschlüsse und Verwaltungstätigkeit als zentrale Voraussetzungen. Die genauen Bedingungen solltest du deshalb immer bei der zuständigen Verwaltungsschule oder Prüfungsstelle deines Bundeslandes prüfen.
Wie läuft die Fortbildung ab?
Die Weiterbildung wird häufig berufsbegleitend durchgeführt und ist deutlich umfangreicher als ein kurzer Lehrgang. In Berlin vermittelt der Verwaltungslehrgang II vertiefte Fach- und Methodenkompetenzen in Rechts- und Verwaltungswissenschaften, analytisches und strategisches Denken sowie die Fähigkeit, Arbeitsabläufe systematisch und wirtschaftlich zu organisieren. Dort umfasst der Lehrgang rund 500 Doppelstunden und dauert etwa drei Jahre. In anderen Bundesländern können Dauer, Unterrichtsform und Bezeichnung abweichen. Deshalb ist „Verwaltungsfachwirt“ zwar ein etablierter Fortbildungsabschluss, aber der konkrete Ausbildungsweg ist nicht überall identisch organisiert.
Welche Inhalte und Prüfungen erwarten dich?
Typische Themen sind Staats- und Europarecht, allgemeines Verwaltungsrecht, Polizei- und Ordnungsrecht, öffentliche Finanzwirtschaft, Betriebs- und Volkswirtschaft sowie Personalmanagement und öffentliches Dienstrecht. Die Fortbildung soll dich darauf vorbereiten, komplexere Verwaltungsfälle zu bearbeiten und Entscheidungen fachlich sicher vorzubereiten. Prüfungen können aus mehreren schriftlichen Teilen sowie einer Abschlussarbeit mit Präsentation und Verteidigung bestehen. Die Verwaltungsakademie Berlin prüft aktuell unter anderem Staatsrecht, Verwaltungsrecht, öffentliche Finanzwirtschaft und Personalmanagement. Je nach Lehrgang kann bereits vor der Zulassung ein Eignungstest vorgesehen sein.
Verwaltungsfachwirt oder Verwaltungsfachangestellter: Was ist der Unterschied?
Verwaltungsfachangestellte absolvieren eine reguläre Berufsausbildung und steigen danach in die öffentliche Verwaltung ein. Der Verwaltungsfachwirt baut dagegen auf einer vorhandenen Qualifikation und Berufspraxis auf. Er ist damit vor allem ein Aufstiegs- und Weiterbildungsweg für Tarifbeschäftigte. Mit dem Abschluss kannst du dich für höherwertige Fach- und Sachbearbeitungsaufgaben qualifizieren. Aktuelle Stellen im öffentlichen Dienst akzeptieren den Verwaltungsfachwirt teilweise als Alternative zu einem Bachelor- oder Fachhochschulabschluss, wenn die Tätigkeit und das Anforderungsprofil dazu passen.
Ist der Verwaltungsfachwirt ein Bachelor?
Nein. Der Verwaltungsfachwirt ist ein beruflicher Fortbildungsabschluss und kein Hochschulabschluss. Er darf deshalb nicht mit einem Bachelor oder mit dem Diplom-Verwaltungswirt verwechselt werden. Letzterer ist ein akademischer Abschluss, der zum Beispiel im Rahmen eines dualen Studiums für eine Beamtenlaufbahn erworben werden kann. Einzelne Hochschulen können allerdings Leistungen aus einem Verwaltungslehrgang auf ein späteres Studium anrechnen. In Berlin besteht beispielsweise eine Kooperation, über die Absolventen des Verwaltungslehrgangs II unter Anerkennung bereits erbrachter Leistungen einen Bachelorabschluss anstreben können.
Karriere und Gehalt nach der Fortbildung
Der Abschluss kann dir den Zugang zu anspruchsvolleren Verwaltungsaufgaben und höheren Positionen erleichtern. Mögliche Einsatzfelder sind zum Beispiel Personal, Haushalt, Finanzen, Organisation, Bürgerdienste oder fachbezogene Sachbearbeitung. Auch Bundesbehörden schreiben Stellen aus, bei denen eine Fortbildung zur Verwaltungsfachwirtin oder zum Verwaltungsfachwirt als passende Qualifikation anerkannt wird. Dein Gehalt ergibt sich aber nicht automatisch aus dem Abschluss. Bei Tarifbeschäftigten richtet sich die Eingruppierung nach der konkreten Tätigkeit und den geltenden Tarifmerkmalen des TVöD oder TV-L.
Tipps für Berufseinsteiger
Wenn du noch am Anfang deiner Karriere stehst, ist meist zuerst eine Ausbildung zur oder zum Verwaltungsfachangestellten oder ein anderer Einstieg in die öffentliche Verwaltung sinnvoll. Sammle anschließend Berufserfahrung und informiere dich früh, welche Fortbildungswege dein Arbeitgeber anbietet. Wenn dein langfristiges Ziel anspruchsvollere Fachaufgaben oder eine höhere Funktionsebene sind, kann der Verwaltungsfachwirt eine interessante Alternative zu einem Vollzeitstudium sein. Prüfe dabei immer die Zulassungsvoraussetzungen deines Bundeslandes, denn Berufspraxis, Eignungstest und Lehrgangsdauer können sich unterscheiden.
Fazit
Der Verwaltungsfachwirt ist eine wichtige Fortbildung für Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung. Er richtet sich vor allem an Menschen, die bereits eine Verwaltungsausbildung und Berufserfahrung mitbringen und sich fachlich weiterentwickeln möchten. Für junge Berufseinsteiger ist der Abschluss deshalb eher ein späterer Karriereschritt als der erste Einstieg nach der Schule. Wer bereits als Verwaltungsfachangestellter arbeitet und langfristig höherwertige Verwaltungsaufgaben übernehmen möchte, findet im Verwaltungsfachwirt einen praxisnahen Weiterbildungsweg.
